Ein Gastbeitrag mit neuen Tipps und Erfahrungen aus der camper.help Community. Vielen Dank lieber Kurt für deine Zeit und deinen Beitrag. Gastautoren entscheiden frei über den Inhalt. Ein fester camper.help Autor prüft und veröffentlicht den Inhalt. Die camper.help Grundsätze werden in der Regel eingehalten.

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Kurt Benzinger

Eine ungute Erfahrung in Frankreich

Diese kleine Geschichte soll allzu sorglose Menschen dazu anhalten, sich vorsichtig zu verhalten und stets damit zu rechnen, daß es viele bösartige Zeitgenossen gibt, die sich an fremdem Eigentum zu vergreifen suchen.

Folgt uns deshalb nach Frankreich, wo wir mit unserem Wohnmobil und einem Anhänger namens „Huckepack“, der einen kleinen Fiat-Panda trägt, einen wunderschönen Urlaub verbracht haben.

Wir befinden uns auf dem Heimweg

Kurz vor dem Elsass und der Stadt Nancy und beschließen, nach dem Tanken die dazugehörige Raststätte zu besuchen; diese macht einen guten Eindruck auf uns, weist sogar einen gut beleuchteten Stellplatz aus – eigens für Wohnmobilgespanne ! – und ist recht gut frequentiert.

Jedermann weiß, daß es in Frankreich besonders an Autobahnraststätten zu Überfällen auf Urlaubsreisende kommen kann, deshalb bleibt immer einer von uns im Fahrzeug und passt auf, während der andere sich die Beine vertritt oder Restaurant, Toilette und Souvenirshop aufsucht.

Langsam bricht also die Dämmerung herein, wir sind müde und beschließen, hier zu übernachten: der Platz erscheint sicher, der Anhänger ist mit einem Kastenschloss gesichert und mit dem Wohnmobil verbunden, niemand bettelt uns an oder pöbelt herum, alles ist friedlich.

Als wir uns zu Bett legen

fängt es an zu regnen, doch das stört uns wenig, denn das dezente Prasseln auf dem Fahrzeugdach sind wir gewöhnt, innen ist es trocken, warm und kuschelig und bald schlafen wir tief und fest und freuen uns darauf, am Morgen weiterzufahren und „Kilometer zu machen“, denn bis nach Hause ist es noch weit.

Ein erholsamer Schlaf liegt hinter uns, wir sitzen noch etwas schlaftrunken am Bettrand, da fällt auf, daß meine Kleider ungeordnet herumliegen, der Vorhang zum Cockpit nicht geschlossen ist: habe ich denn so unruhig geschlafen ? Keiner Schuld bewußt versuche ich Chris zu beruhigen, da findet sie unser Krusch-Körbchen, welches stets auf dem Sideboard steht, an meinem Bettende, und der Tages-Geldbeutel fehlt.

Lähmendes Entsetzen befällt uns

Wer von uns hatte diesen zuletzt wo hin gelegt ? Nein, er war zweifellos im Körbchen gewesen, da finde ich meinen Personalausweis zwischen den Vordersitzen am Boden liegen. Nur langsam wird uns bewußt, daß dies nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann.

Während ich zunehmend verunsichert und bange aussteige, flehe ich zum Himmel „bitte laßt es einen Scherz sein, den mir meine Frau spielt!“, doch ich finde die Beifahrertüre nur angelehnt; nun erst fährt es mir wie ein Blitzschlag durch Mark und Bein: man muß uns überfallen haben !

Fieberhaft suchen wir nach Spuren eines Einbruchs

Keine Schrammen zu sehen (erst sehr viel später, zuhause, finden wir Anzeichen, denn der Schlüssel sperrt nicht mehr und es zeigt sich ein minimal verbogenes Blechstückchen am Türschloss), aber das Navi ist noch da; nur das Laptop nicht – es war hinter dem Beifahrersitz – und fehlt.

Unser Geldvorrat liegt unberührt im Tresor, beide Handys hängen noch in der Küche am Ladegerät, die Fahrzeugschlüssel sind am Haken, Anhänger und Panda sind unbeschädigt.

Zunehmend wird uns bewußt, daß wir definitiv das Opfer eines Einbruch-Überfalles geworden sind, und während wir uns noch fieberhaft klar zu werden versuchen, was nun alles abhanden gekommen ist, gelingt es mir über mein Handy, die Scheckkarte sperren zu lassen.

Außer dieser und 250 Euro Bargeld fehlen nur Führerschein und Schwerbehinderten-Ausweis, sowie ein Ladegerät-Booster, den man wohl für ein ähnlich aussehendes Handy gehalten hat.

Polizei verständigen?

Ohne fließende Sprachkenntnisse sinnlos. Ich suche die Umgebung ab nach leerem Geldbeutel, vergebens. Wir entschließen uns zur Weiterfahrt, ohne Frühstück: es hat uns gehörig den Appetit und die Sprache verschlagen; erst hinter der Grenze in Deutschland finden wir allmählich Worte des Entsetzens, denn das Geschehen ist uns tief in die Knochen gefahren und unsere Gedanken bewegen sich im Kreis wie ein Mahlstrom.

Tage danach – Polizei und Ämter sind längst verständigt – wird uns allmählich klar, in welcher Gefahr wir uns wohl befunden haben: Einbrecher waren bei uns im Auto ! Haben uns schlafend gefunden; was aber wäre geschehen, wenn wir in Panik hochgeschreckt wären … ??? Was, wenn man uns bedroht hätte ??? Den Tresor zu öffnen gezwungen: „Geld her, oder Leben!“ ? Was, wenn sie die Handys erwischt hätten und die Scheckkartensperre rückgängig gemacht ???

Heiße Fragen beschäftigen uns heute noch

Wochen später, wo wir vom Überfall wieder erzählen können; lange haben wir aus falscher Scham selbst unseren Kindern nichts davon gesagt.

  • Resümierend stellen wir fest, daß bei der Wiederbeschaffung der Papiere aktuelle Fotokopien derselben von großem Nutzen waren.

  • Die innen angebrachten verschließbaren Fahrerhaus-Riegel hatten wir nicht verschlossen (wir waren ja „zuhause“ gewesen) – sie hätten den Einbruch aber vermutlich zur Gänze verhindern können.

  • Die Eingangstüre war mit dem kleinen Patent-Winkel gesichert gewesen, aber die vorhandenen Signal-Pfeifferl lagen nicht griffbereit – womöglich hätte deren Gebrauch die Situation allerdings aus dem Ruder laufen lassen.

  • Der Dummy-Geldbeutel mit den wertlosen Scheckkarten und Geldscheinen wird den Tages-Geldbeutel im Krusch-Körbchen dauerhaft ersetzen, und letzterer sollte nicht mehr offen herumliegen, sondern vielleicht sogar einen Such-Chip enthalten.

  • Wie bei allen Einbruch- und Diebstahl-Sicherungen weiß man leider nie, ob sie zwielichtiges Gesindel erfolgreich abgehalten haben; erst ein stattgehabter Einbruch zeigt die Schwachstellen auf.

Wie dem auch sei, wir haben jedenfalls sehr viel Glück gehabt, sind noch einmal glimpflich davongekommen und hoffen zuversichtlich, daß Ihr von derlei Abenteuern verschont bleibt, wo immer Ihr Euch gerade befindet.

Bleibt vorsichtig wie wir auch und schreibt es Euch von der Seele, wenn Euch irgendein Unglück oder Mißgeschick widerfährt.

In diesem Sinne grüßen Euch Kurt und Chris

Feedback vom Flo von camper.help

Hallo Kurt,

vielen Dank, dass du uns deine ehrliche, ungeschönte und sicherlich auch beängstigende Erfahrung mit uns geteilt hast. Dein Bericht zeigt, wie schnell eine vermeintlich sichere Situation kippen kann und wie wichtig es ist, auch im Urlaub stets wachsam zu bleiben. Zum Glück seid ihr beide unversehrt geblieben.

Ich denke, es zeigt auch wieder auf. Selbst, wenn man sich wohlfühlt, ist auf Raststätten das Risiko deutlich zu groß, egal wie viele Camper dort bereits sind und wie sicher es erscheint.

Besonders wertvoll finde ich deine / eure praktischen Hinweise, die du aus dieser Erfahrung ableitest. Sie bieten eine gute Orientierung aus der camper.help Community. Dinge wie zusätzliche Türsicherungen, ein Dummy-Geldbeutel oder Kopien wichtiger Dokumente können in dem einen oder anderen Fall einen Unterschied machen.

Es ist sicher nicht leicht, so ein Erlebnis zu verarbeiten, aber es spricht für euch, dass ihr die Situation reflektiert und konstruktive Konsequenzen daraus zieht. Das hilft nicht nur euch selbst, sondern auch anderen Reisenden, die deine Hinweise sicherlich zu schätzen wissen.

Trotz des riesigen Schrecks wünsche ich euch eine weiterhin sorgenfreie Reiselust. Lasst euch nicht unterkriegen und danke, dass ihr uns an eurer Geschichte teilhaben habt lassen.

Viele Grüsse und bis bald

Flo

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