Dangel Travel für den Fiat Ducato, Citroën Jumper und Peugeot Boxer
Die Sevel Linie um den Fiat Ducato, Citroën Jumper und den Peugeot Boxer gibt es serienmäßig nicht wirklich bereit für unbefestigte Straßen. Auch für einen 4×4 Umbau gibt es nur einen Anbieter: Dangel. Der französische Anbieter baut jedoch nur neue Fahrzeuge um, bevor diese zugelassen sind. Somit gibt es auch entsprechend wenig dieser Fahrzeuge im Camping Bereich. Doch genau diese Firma Dangel bietet nun einen Umbau mit dem Namen „Travel“ an.
Worum handelt es sich bei diesem Umbau? Dangel Travel ist eigentlich einfach ein LSD (limited slip differential), das auch sehr einfach nachgerüstet werden kann. Doch lohnt sich so eine Art Sperrdifferential? Ist es die knappen 2000€ wert? Und wie läuft der Umbau eigentlich ab?
All das klären wir in den nächsten Zeilen.

Dangel Travel – was ist dieses Sperrdifferential?
Doch warum ein Sperrdifferential? Was macht das überhaupt?
Ein Differential ist in der Regel dazu da, um den Geschwindigkeitsunterschied zwischen dem Kurvenäußeren und dem Kurveninneren Rad auszugleichen. Da das Kurven innere Rad einen kürzeren Weg zurücklegen muss, als das Äußere würde es im Falle einer starren Achse ja durchdrehen müssen. Das funktioniert so nicht komfortabel und Kurvenfahrten währen eine Qual. Zum Glück gleicht das aber das Differential aus.

Bei losem Untergrund wird genau diese Wirkung aber zum Problem. Hat ein Rad keinen guten „Grip“, dann dreht es schnell. Für das Differential ist das, als ob dieses durchdrehende Rad das Kurvenäußere ist, weshalb das nicht rutschende Rad durch den mechanischen Aufbau des Differentials abbremst, bis es schließlich keinerlei Drehmoment mehr bekommt. Dann ist Schluss mit Vortrieb. Das kennen sicherlich die meisten unter euch. Genau das passiert aber bei losem Untergrund ständig, weshalb der Vortrieb deutlich leidet.
Beim 4×4 ist dieser Effekt zwar etwas reduziert, da die Wahrscheinlichkeit, dass noch Moment übertragen werden kann, erhöht wird, doch auch hier ist irgendwann Schluss. Erschwerend kommt hinzu, dass auch noch ein Mitteldifferential vorhanden ist, welches die Drehzahlen zwischen Vorder- und Hinterachse ausgleichen soll.
Genau aus diesem Grund haben echte Offroad Fahrzeuge neben einer Untersetzung auch Differentialsperren. Diese sperren das Differential per Tastendruck, oder dem Drehen eines Hebels an der Achse. Hier werden die Differentiale zu 100% gesperrt, also die beiden Räder wie bei einer Starrachse permanent miteinander verbunden.
Das führt natürlich zu einem sehr schlechten Kurvenverhalten, weshalb diese Sperren nur genutzt werden, wenn man sie wirklich benötigt.
Dangel Travel – Deshalb wird ein LSD eingesetzt
Dangel setzt bei seinen 4×4 Umbauten genau solche Sperrdifferentiale ein. Für einen Umbau wäre aber das Einbauen viel zu komplex und die Ansteuerung oftmals zu umständlich und kompliziert. Daher setzt Dangel ein sogenanntes „Limited Slip Differential“, kurz LSD für den Travel Umbau ein. Dieser Differentialtyp reduziert, wie der englische Name beschreibt, den Schlupf, also das Rutschen zwischen den beiden Reifen, dann wenn es benötigt wird. Ist kein Schlupf vorhanden, also bei normalen Kurvenfahrten, verhält sich ein solches LSD wie ein normales Differential. Der Hersteller des eingesetzten LSDs ist Quaife. Wohl eine der bekanntesten Marken für solche Differentiale aus England.
Über eine clevere Zusammensetzung aus Schneckenrädern sperrt sich das Differential bei rutschenden Rädern selbstständig und leitet somit mehr Drehmoment an das Rad mit der höheren Reibung, also mehr Grip. Sobald sich dieser Zustand wieder normalisiert, kann es die Drehzahlen wieder wie gewohnt ausgleichen und verändert damit nicht das Verhalten bei Kurvenfahrten. Das alles klingt zu gut, um wahr zu sein. Warum sollte man denn noch herkömmliche Sperrdifferentiale nutzen wollen, wenn das LSD alles automatisch macht?

Querschnitt durch ein LSD (Mit freundlicher Genehmigung der Firma Quaife)
Ein LSD kann das Moment nur zu einem festgelegten Faktor übertragen, welcher durch die Abstimmung des Differentialgetriebes vorgegeben ist. Das bedeutet, dass es, einfach gesagt, das Drehmoment des rutschenden Rades quasi multipliziert und an das „stehende“ Rad mit einem Faktor abgibt. Das bedeutet aber auch, dass wenn das rutschende/frei stehende Rad kein Moment mehr überträgt, weil es bspw. in der Luft hängt, dann auch am anderen Rad nichts ankommt, denn mit Null multipliziert ergibt alles erstmal Null. Eben das ist bei einem echten Sperrdifferential eben anders. Dafür benötigt man für das LSD keinerlei Eingriff. Alles funktioniert automatisch, ohne Zutun der Fahrerin oder des Fahrers.
Dangel Travel – Der Einbau im schönen Frankreich
Dangel Travel – Erstkontakt mit De Bondt, der deutschen Vertretung
Aus Deutschland kann man nicht direkt mit Dangel in Kontakt treten. Stattdessen kontaktiert man die deutsche Vertretung De Bondt. Dieses in Hamm ansässige Unternehmen führt selbst allerlei Fahrzeugumbauten, hauptsächlich für den gewerblichen Bereich durch. Tatsächlich gestaltete sich die Kommunikation per Mail zeitweise schwierig. Antworten benötigten einiges an Zeit und alles war etwas träge. Anders sah es am Telefon aus. Telefonisch ging die Kommunikation schnell und zielgerichtet vonstatten. Auch einige Informationen, wie der Umbau vor Ort abläuft, gab es gleich dazu.
Vorbereitend bekam man noch einen kleinen Fragebogen für Daten zum Fahrzeug und den Vertrag zur Unterschrift. Momentan werden die Änderungen nur bis ca. 30.000km Laufleistung durchgeführt aufgrund von Garantieansprüchen. Wir hatten diese Grenze zu der Zeit (das waren noch Zeiten, lang ists her :)) noch nicht überschritten, weshalb das kein Problem darstellte. Zwischenzeitlich wurde auch diese Grenze auf 50.000km, bzw. 5 Jahre Alter erhöht. Das sollte man aber vorher nochmal prüfen.
Nach der finalen Bestätigung durch Dangel macht man noch über De Bondt den Termin zum Umbau aus. Bei unserem Umbau war keine Anzahlung nötig. Ob das noch immer so ist, kann ich momentan nicht sagen. Ab diesem Zeitpunkt heißt es nur noch warten.
Dangel Travel – Der Tag des Einbaus in Frankreich
Zum Umbau geht es direkt ins Werk von Dangel in Sentheim. Von Stuttgart aus sind es ca. 3 Stunden Fahrt. Es gibt aber auch, Frankreich-typisch, in nächster Nähe kostenlose Stellplätze eines Supermarkts, wo ich die Nacht zuvor verbrachte, da der Termin durchaus früh starten kann. Nach der Ankunft auf dem Werksgelände wurde ich bereits erwartet. Ein Mitarbeiter nahm mich und meinen Camper in Empfang. Auf dem Beifahrersitz ging es zu einer Mini-Probefahrt zur Halle, um nach Auffälligkeiten zu schauen. In der Werkshalle ging alles super schnell. Der Mechaniker stellte sich vor, das Fahrzeug kam auf die Bühne und schon ging es los.

Mit dem anderen Mitarbeiter ging es in den Empfangsbereich, wo man, wenn man das vorher gebucht hat, ein Leihfahrzeug für den Tag bekommt. Das ist komplett kostenlos, man zahlt lediglich den Sprit. So kann man während der ca. 5 Stunden dauernden Operation am Camper die sehr schöne Umgebung und die Städtchen erkunden. Dieses Angebot nutzte ich natürlich gerne und machte mir einen entspannten Tag in der Umgebung Sentheims.
Nach der vereinbarten Zeit ging es zurück und ich konnte meinen Camper wieder in Empfang nehmen. An einigen Schaustücken kann man sich die Technik hinter dem Material erklären lassen und selbst erfahren, bevor es zur Probefahrt mit dem neuen Differential geht. Der Techniker erklärt dabei das ein, oder andere Verhalten, das anders ist und nach ein paar wenigen Kilometern und dem Zahlen kann es wieder auf den Heimweg gehen.
Alles in allem lief der Umbau problemlos und zügig. Das gesamte Personal war super freundlich und kompetent und die Möglichkeit ein Leihfahrzeug zu bekommen ist wirklich super empfehlenswert.
Vergleich normales Differential (links), LSD (rechts)
Dangel Travel – Der Unterfahrschutz als sinnvolles Extra
Wir haben direkt noch einen Unterfahrschutz montieren lassen, da der untere Motorbereich bei den Sevel Modellen ein wirklicher Schwachpunkt ist. Nicht nur Motorteile und Aggregate hängen frei unter dem Fahrzeug, auch die Ölwanne liegt dort bereit, von einem Stein oder etwas Ähnlichem aufgeschlitzt zu werden. Zumindest einen vollständigen Kunststoff Unterfahrschutz würde ich jedem empfehlen. Sollte es auch mal etwas gröber werden, bieten sich Metallbauteile an. Da wir kein Gewichtsproblem haben und die Vorderachse Gewicht verträgt, haben wir einen Stahl Unterfahrschutz montiert, der die empfindlichen Bauteile nun schützt.
Dangel Travel – Das Differenzial im Einsatz
Wie schlägt sich nun das Differential?
Direkt nach dem Einbau bemerkt man deutlich erhöhte Rückstellkräfte. Das bedeutet, dass das Lenkrad bei einer Kurvenfahrt, wenn ihr Gas gebt, dazu tendiert, die Vorderräder wieder geradezustellen. Das ist recht klar, denn genau das passiert, wenn beide Räder gleichmäßig Kraft erhalten.
Dieses Verhalten geht aber nach 1.000-2.000km weg und man merkt kaum noch, dass ein anderes Verhalten bei Kurvenfahrten auftritt, wie ohne. Dann sind Kurvenfahrten ähnlich, wie ohne LSD. Steigt man aber in engen Kurven aufs Gas, merkt man deutlich, dass das Differential arbeitet. Der Camper zieht deutlich in die Kurve. Steigt die Kurve noch etwas an und ist eng, dann spürt man richtig die Kraft, die einen durchzieht. Kein Rutschen oder Durchdrehen der Räder mehr.
Wenn das Differential arbeitet, dann hört man ein leichtes Klackern. Das ist normal und unbedenklich. Sobald es verriegelt, spürt man das auch deutlich am Lenkrad. Bei rutschigem Untergrund wie Matsch, oder nassem Untergrund kommt man mit dem Dangel Travel super durch. Die Räder drehen nicht mehr so stark durch, denn ein Rad hat normalerweise immer etwas mehr Grip.
Besonders bei schneeglatter Fahrbahn merkt man, wie der Kasten souverän durchzieht und jederzeit Grip hat (gute Reifen vorausgesetzt). Man kommt mit dem Differential sehr gut durch solche schwierigen Untergründe.
Zusätzlich wirkt es sich positiv auf das Bremsen aus, da auch hier das Moment auf das Rad mit mehr Traktion übertragen wird. Dennoch verändert es weder die Funktion des ABS noch die des ESP‑Systems. Alle Funktionen bleiben wie gehabt erhalten.
Dangel Travel – Das Fazit
Der Umbau kostet also aktuell 2190€. Unter diesem Gesichtspunkt muss ich weiterhin sagen, dass sich der Umbau lohnt. Ihr bekommt dafür eine zusätzliche Sicherheit auf rutschigem Untergrund. Die Wahrscheinlichkeit ein paar Meter weiterzukommen steigt nochmal enorm.
Gute Reifen ersetzt der Umbau jedoch auch nicht. Diese sind immer der erste Schritt zu besserem Vorankommen bei schlechtem Untergrund. Wer dann jedoch noch etwas mehr haben möchte, sollte aufgrund fehlender 4×4 Umbaualternativen für zugelassene Sevel Mobile bei Dangel Travel zugreifen.

Wir sind froh, den Umbau gemacht zu haben. Das Plus an Ruhe im Kopf, wenn die Matschpassage vor einem auftaucht, ist nicht zu unterschätzen. Für das Gebotene ist der Preis durchaus gerechtfertigt. Das Abstimmen mit den Dienstleistern war für uns zwar etwas zäher, aber dennoch immer freundlich und kompetent.
Von unserer Seite aus eine Empfehlung, wenn auch bestimmt nicht für jeden!
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