Autarkie im Camper – Der Strom muss fließen
Auch wenn mehr, als Strom zur Autarkie im Camper gehört, ist er doch ein zentrales Thema. Die Wahl der Batterie und die Ausstattung mit Solar beeinflussen recht direkt, wie lange man ohne Landanschluss stehen kann. Gerade bei der immer häufiger werdenden Nutzung von Kompressorkühlschränken und den vielen elektronischen Gadgets, die man dabei hat, steigt der eigene Stromverbrauch schnell.
Mit leerer Batterie wird es dann schnell dunkel im Camper und noch schlimmer: Die Vorräte drohen zu verderben. Doch braucht man eigentlich wirklich Solar auf dem Dach? Ist es für jeden sinnvoll, oder eher Werbemasche? Oder gibt es vielleicht sogar Alternativen, die bei so manchem günstiger, leichter und vielleicht sogar besser wären?
All das versuchen wir hier zu klären.

Autarkie im Camper – Was brauche ich wirklich?
Autarkie im Camper – Was sind meine Verbraucher?
Wahrscheinlich die wichtigste Vorüberlegung ist die Frage nach den Verbrauchern. Ein bisschen Licht und mal ein Handy über USB laden, sind noch keine Herausforderung für ein Wohnmobil. Die Lüftung der Heizung und die Wasserpumpe können da schon deutlich mehr Energie kosten.
Richtig Energie kann dann aber der Kühlschrank kosten, wenn es sich um einen Kompressorkühlschrank handelt. Ganz zu schweigen von Wechselrichtern. Ob man diesen aber wirklich braucht, sollte man vielleicht noch einmal überdenken, da es zwischenzeitlich doch einige Alternativen gibt.
Autarkie im Camper – Die Batterie als Grundlage
Bevor es an das Thema Solar geht, sollten wir noch über die Batterie des Campers reden. Diese beeinflusst, wie lange ihr ohne eine Ladung auskommt.
Mit einer AGM in vernünftiger Größe (min. 100Ah) kommt man bereits ein gutes Stück, auch wenn hier natürlich immer nur ca. die Hälfte der Kapazität genutzt werden kann. Bei einer LiFePo4 wiederum sieht es schon komfortabel aus. Hier können quasi 100% der Kapazität genutzt werden.
Autarkie im Camper – Wie Reise ich?
Die wichtigste Frage in Bezug auf euer Solarsetup ist wahrscheinlich: „Wie reise ich?“. Euer Resieverhalten beeinflusst direkt die Frage, wie viel Solar denn für euch nötig ist. Wer in der Regel am Stück zu seinem Campingplatz reist und auf dem Weg nur übernachtet, um am nächsten Tag weiterzufahren, der wird ehrlich gesagt komplett ohne Solar auskommen. Und das auch, wenn man am Zwischenübernachtungsplatz keinen Stromanschluss nutzen kann, oder möchte.
Ist man zwar längere Zeit ohne Campingplatz unterwegs, aber steht nur 1–2 Tage an einem Ort, dann wird vermutlich ein kleines Solarsetup reichen. Die Lichtmaschine und der Booster erledigen den Rest. Steht man aber länger an einem Ort ohne Stromversorgung und ohne das Fahrzeug zu bewegen, dann muss man sich vermutlich wirklich Gedanken über ein gutes Solarsetup machen.
Autarkie im Camper – Die Praxis
Die Vorüberlegungen wurden jetzt gemacht. Doch wie sieht das Ganze in der Praxis aus?
Die erste Frage, die man sich stellen sollte, dreht sich um das Nutzungsverhalten. Nichts ist für die Entscheidung wichtiger, als zu wissen, was man überhaupt vorhat.
Autarkie im Camper – Der Campingplatzurlauber
Vermutlich der einfachste Kandidat. Wer zu Hause losfährt und bis zu seinem Zielcampingplatz ein, oder zwei Übernachtungen auf einem Stellplatz unterwegs hat, der braucht eigentlich gar keine Solarplatte auf dem Dach. Selbst mit einer AGM-Batterie kommt man locker eine Nacht bei einem Kompressorkühlschrank. Am Morgen sorgt dann der Ladebooster während der Fahrt für frische Ladung.
Am Campingplatz angekommen kommt dann der Landstrom an die Dose und das Thema ist erledigt. Wer ganz sicher gehen möchte, der installiert eine 100Ah LiFePo4 und einen 25A Booster. Damit bekommt man auch den Fernseher o.ä. am Abend betrieben, wenn man das möchte. Somit kann man die eingesparten Kilos der Solaranlage für wichtigere Dinge verwenden.
Autarkie im Camper – Der Unruhige
In diese Kategorie fallen alle, die es nicht lange an einem Ort aushalten. Ein bis zwei Tage am selben Ort, dann zieht es euch weiter. Der Weg ist das Ziel und alles außer Stillstand geht.
Wenn ihr selten lange am selben Ort seid und dazwischen ständig Fahrten von mindestens 2 Stunden liegen, dann seid ihr die Gruppe mit dem zweitgeringsten Solarbedarf. Eigentlich benötigt auch dieser Typ nicht wirklich Solar. Besser ist es in diesem Fall wohl, eine anständige Batteriegröße zu bevorraten und in einen größeren Booster zu investieren.

Eine 200Ah LiFePo im Batteriefach und ein 50A Booster wären für diese Nutzung wohl die beste Kombination. Mit einem solchen Akku kommt man auch mal gut ein paar Tage und mit dem dicken Booster ist die Batterie in kürzester Zeit wieder voll. In etwas mehr als 4 Stunden ist die gesamte Kapazität wieder geladen. In der Theorie benötigt ihr bei einem solchen Nutzungsverhalten also auch kein Solar.
Autarkie im Camper – Der freistehende Genießer
Dieser Typ würde sich am liebsten gar nicht vom Fleck bewegen, wenn erst einmal ein schöner Ort gefunden wurde. Alleine auf der Klippe, oder mitten im Nirgendwo wird ein Camp errichtet.
Eigentlich ist das Nutzungsverhalten ähnlich wie beim Campingplatzurlauber, aber es gibt keine Stromsäule. Deshalb muss er wirklich selbst vorsorgen. Deshalb ist er der erste Campingtyp, der wirklich Solar benötigt. Eine große Batterie unterstützt dabei, die Zeit zu verlängern. Auch hier kann ein potenter Booster zusätzlich helfen, da der Akku auch mal sehr leer laufen kann.

Somit heißt es bei diesem Typ: all-in! Große Batterie, ordentlich Solar und ein anständiger Booster sollten an Board sein. Nur dann ist so ein Reisen überhaupt möglich.
Autarkie im Camper – Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen
Die wenigsten werden vermutlich genau auf eine Kategorie passen. Aber eine Tendenz werden die Meisten sehen. Deshalb muss man immer ein wenig selbst entscheiden und das am besten ehrlich zu sich selbst.
Es gibt einige Solarrechner im Netz. Manche sind besser, manche schlechter. Ein recht übersichtlicher und gut strukturierter findet sich unter https://solarkontor.de/pages/solarrechner. Ich muss aber ehrlich sagen, dass bisher kein Solarrechner so richtig das widerspiegelt, was ich aus dem täglichen Gebrauch sehe. Letztendlich gilt es, seinen Verbrauch am besten selbst zu ermitteln. Deshalb würde ich auch vor einer großen Aktion zuerst Messdaten sammeln und das eigene Nutzungsverhalten analysieren.
Bei der Analyse können euch gute Solarcomputer, bzw. Batteriesysteme helfen. Ich selbst schwöre auf die Systeme von BlueSolar. Mit einem solchen System könnt ihr wirklich bis ins letzte Detail eure Verbräuche und die Ladung prüfen.
Autarkie im Camper – Das wahre Limit
Nun wissen wir, was für ein Typ wir sind, und der freistehende Genießer wird sich ein dickes Solarsetup montieren, um auch bei schlechtem Wetter wochenlang auf der Klippe zu stehen. Doch was ist denn eigentlich wirklich die begrenzende Größe?
Wer eine Kassettentoilette in Nutzung hat, dürfte bereits nach wenigen Tagen eine Möglichkeit zur Leerung suchen und somit wahrscheinlich weiterfahren. Schon kann der Booster wieder etwas nachladen. Wer eine alternative Toilette mit sich führt, die die Leerungsintervalle begünstigt, der dürfte dann beim Brauchwasser vermutlich sein Limit finden. Bei uns ist da nach einer Woche auch irgendwann Schluss. Klar kann man da sicherlich noch etwas sparen, aber irgendwo sind hier immer Grenzen. Hier lohnt sich auch eine Filteranlage, damit man aus dem großen Wasservorrat im Camper Trinkwasser gewinnen kann.
Vorräte an frischen Lebensmitteln gehen vermutlich auch irgendwann zur Neige. Auch wenn man vor Ort manchmal durch Einheimische versorgt werden kann, wird es irgendwann knapp.
Zu guter Letzt sollte man ohnehin nicht Ewigkeiten am selben Platz stehen, da sich Einheimische sonst etwas belagert fühlen können. Das alles führt dazu, dass in der Realität die stromautarken Tage meist gar nicht so lange am Stück sind, wie man denkt.
Autarkie im Camper – Der Tipp für das Solarsetup
Batterie und Solar sollten immer im Einklang sein. Schließlich kann eine eventuell zu kleine Batterie mit mehr Solar ausgeglichen werden. Das funktioniert aber natürlich nur, wenn die Sonne auch scheint. Ist es tagelang bewölkt, helfen auch 500 Wp auf dem Dach nichts, wenn die 100Ah Batterie leerläuft.
Autarkie im Camper – Batteriegröße sinnvoll wählen
Die Batteriegröße wird vermutlich meistens nach dem Geldbeutel gewählt. Doch würde ich allen, die nicht in die Kategorie Campingplatzurlauber fallen, zu mindestens 200Ah raten. Mit so einer Kapazität kommt man unter normalen Bedingungen, wenn man nicht in der Gluthitze steht, mal 4 Tage ohne jegliche Solarunterstützung. Mehr geht natürlich immer und die Standzeit kann verlängert werden, aber man muss dann die Ladung auch wieder in die Batterie bringen. Also muss dann ein größerer Booster und/oder mehr Solar aufs Dach.
Dem Freisteher würde ich da eher zu 300Ah raten. Das alles unter der Annahme, dass auch der Kühlschrank auf Strom läuft. Ist das nicht der Fall, dann reicht auch deutlich weniger Kapazität. Allerdings kann man mit einer großen Batterie durchaus auch mal einen Absorber auf die Batterie laufen lassen. Flo macht das mit seinen 300Ah auch gerne mal. Macht dann auch Sinn, damit die Batterie sich nicht langweilt.
Autarkie im Camper – Versucht nicht alles auszugleichen
Wenn die Sonne richtig loslegt und wir in der Sonne stehen (wir wollen ja Solar müllern), dann saugen wir allein schon durch unseren Kompressorkühlschrank am Tag locker mal 110Ah und mehr. Das ist unser Verbrauch bei keinem nennenswerten zusätzlichen Verbraucher und 36°C Tagen. Bei anderem Nutzungsverhalten kann man da bestimmt noch eine Schippe drauf legen. Möchte man das jeden Tag ausgleichen, muss man ein ganz ordentliches Setup mit sich führen, entspricht das doch guten 1.300 Wh. Möchte man das 100% ausgleichen, dann muss man während der knappen 10 Stunden diese Ladung wieder hereinbekommen.

Stromverbrauch 112Ah auf der Wiese bei ca. 38°C (Ab ca. 16 Uhr kein Solar, dafür beschattet)
Da bei der Dachmontage die Platten nie optimal zur Sonne stehen, bekommt man den Peak nur für eine kurze Zeit am Tag. Wollten wir unseren Bedarf komplett decken, müssten wir vermutlich statt unserer 200Wp Solar mindestens 400Wp, besser 500Wp aufs Dach bringen. In Zeiten mit weniger Verbrauch wäre dann aber einfach viel zu viel Solar auf dem Dach.

Stromverbrauch 65,6Ah, immernoch auf einer offenen Wiese, aber bei „nur“ 28°C
Nun wissen wir alle ja, dass LiFePo-Akkus ohnehin nicht gerne bei 100% Ladung hängen. Außerdem sind so große Solaranlagen nicht unbedingt praktisch. Also versucht man eigentlich, die Standzeit nur zu verlängern. Der Akku wird langsam leerer und man kommt trotzdem in Extremsituationen 4 Tage damit aus. Im Normalfall reicht unser Setup deutlich länger und wir kommen locker über eine Woche, oder gleichen sogar fast aus.

Bei Normalverbrauch bekommen wir im Juli schon um 17 Uhr die Batterie fast wieder voll
Wer dennoch mehr benötigt, oder will und vielleicht nicht immer in der prallen Sonne steht, der sollte den nächsten Abschnitt genauer anschauen.
Autarkie im Camper – Nicht alles muss aufs Dach
So ein Faltmodul kann optimal zur Sonne ausgerichtet werden und somit deutlich mehr Ertrag bringen, als ein Modul auf dem Dach. Diese Ausrichtung führt dazu, dass ihr beinahe den Nennertrag bekommt, zumindest wenn das Modul regelmäßig mit der Bewegung der Sonne umgestellt wird.
Unser 140Wp Modul bringt so zwichen 110W und 130W. Wer das also mal so 6–7 Stunden am Tag macht, der hat einen doch beträchtlichen Solarertrag. Um das mit einem festen Modul hinzubekommen, benötigt man locker den doppelten Leistungswert. Für ein bisschen Fleißarbeit kann man hier also einen extremen Mehrwert bekommen.

Wer so arbeiten möchte, sollte aber ein langes Kabel dabei haben, um das Modul wirklich aus dem Schatten in die Sonne zu verfrachten. Dabei sollte man aber dringend an den Querschnitt denken, sonst verliert man zu viel Spannung auf dem Weg.
So ein Modul eignet sich auch hervorragend, um das ganze Thema einmal auszuprobieren. Einfach mal mit einem Solarladeregler und einem mobilen anfangen. So entfällt die Montagearbeit und dennoch kann man Solarenergie müllern.
Wer ein solches Modul als Ergänzung nutzen will, der baut sich einfach einen zweiten Solarladeregler ein. Wir haben diesen mit einem Anderson-Stecker versehen, und so kann man ruckzuck das flexible Modul anschließen.

Autarkie im Camper – Das Fazit
Heute wird fast jedem Wohnmobil erst mal eine Solaranlage aufs Dach geschraubt, ohne zu klären, ob das überhaupt nötig ist. Aber dafür sind es eben Verkäufer.
Für die meisten gilt jedoch, dass man sich zuerst einmal Gedanken machen sollte, ob eine Solaranlage wirklich nötig ist. Ohne sie spart man schließlich auch einiges an Gewicht. Für manche ist es kontraproduktiv, da der mit eingebaute LiFePo4-Akku ständig auf 100% gehalten wird.

Fakt ist jedoch: Eine gute Solaranlage erhöht die Unabhängigkeit enorm. In der richtigen Größe macht sie auch Sinn. Jeder braucht sie zwar nicht, das sollte aber natürlich niemanden davon abhalten, sich dennoch eine Anlage aufs Dach zu bauen. Sonst wäre ja kein Spaß beim Camping dabei. :)
Hoffentlich hilft dieser Beitrag dem einen oder anderen dabei, das richtige Setup für sich zu finden. Wie immer ist aber das Wichtigste dabei: Geht campen!
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Letzte Aktualisierung am 29.08.2026 um 00:09 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API
