Messe · DigiCamper
DigiCamper Maps im Praxistest: die Route plant sich selbst
Eine deutsche Camping-Plattform mit 50.000 Nutzern baut eine KI-Reiseplanung ein. Ich habe sie mir am Messestand vom Firmengründer zeigen lassen, live und ohne Absprache.
Vom Sensorbauer zur Reiseplattform
Josef Stuffer hatte ich vor eineinhalb Jahren schon einmal vor der Kamera, damals ging es um seine Sensoren. Der Inhaber von Comworks baut Füllstandsmesser für Gastanks und Frischwasser, Reifendrucksensoren, Alarmtechnik. Diesmal steht auf seinen Standscreens etwas anderes: „Die Route plant sich selbst.“

Wir haben eine digitale Reiseplattform entwickelt mit einer völlig neuen Anwendung. Die heißt Maps. Und das ist ein voll umgreifendes System für Stellplatzsuche, aber auch um seinen Live-Standort zu teilen und Reisen planen zu können.
Josef Stuffer, Inhaber Comworks
Erst die Community, dann die Karte
Unter digicamper.com liegt ein komplettes Portal mit Foren und Gruppen. 50.000 registrierte Nutzer sind dort angemeldet, mehrere hunderttausend Beiträge stehen drin, und alles wird moderiert.
Josefs Punkt dabei ist einer, den ich gut nachvollziehen kann: In einer Facebook-Gruppe bekommst du, was der Algorithmus dir vorlegt. Hier suchst du gezielt nach einem Thema, findest den Beitrag von vor drei Jahren wieder und musst das Rad nicht neu erfinden. Dazu ein moderierter Umgangston, was in Camping-Gruppen keine Selbstverständlichkeit ist.

Maps: Stellplätze, Events und andere Camper
Die neue Anwendung heißt Maps und sitzt im Menü unter Tools. Sie zeigt Stellplätze, Events und andere DigiCamper-Nutzer auf einer Karte. Gefiltert wird nach Kategorie, Preis, Fahrzeuglänge und Ausstattung.

Wer will, sieht andere Camper in der Nähe und kann sie direkt anschreiben. Das ist die Funktion, bei der ich zweimal hingeschaut habe.
Der Live-Standort ist standardmäßig aus
Dass andere Camper dich auf der Karte sehen, passiert nicht automatisch. Du musst die Funktion selbst freischalten. Wer das nicht möchte, lässt sie aus und nutzt alles andere trotzdem.
Trips AI: der Teil, der mich überrascht hat
Neu ist eine KI-gestützte Reiseplanung, die Josef Trips AI nennt. Wir haben das live ausprobiert, ohne Absprache und ohne Vorbereitung. Josef tippt einen Satz in ein Feld:
Plane mir eine Reise von München nach Stockholm mit 5 Übernachtungen auf Stellplätzen, bevorzugt in Seenähe.
Der Prompt aus dem Video

Was danach kommt, ist der eigentliche Unterschied zu einer beliebigen KI-Antwort: Trips AI durchsucht die eigene Datenbank, nicht das offene Internet. Routen, die schon gefahren wurden, und Plätze mit guten Community-Bewertungen werden bevorzugt.

Das Ergebnis waren sieben Wegpunkte über den Chiemsee, den Edersee, Ratzeburg und den Vättern bis nach Stockholm. Ehrlich gesagt hätte ich bei einer Live-Demo mit einem Ergebnis gerechnet, das man danach freundlich weglächelt. Der Idasee stand auf der Liste, an dem war ich selbst noch nicht, und was ich darüber gehört habe, passt.
Auffällig war eine Kleinigkeit: Die KI meldet zurück, dass ihre Stellplatz-Liste in Skandinavien dünn ist, und ergänzt dort aus eigener Kenntnis. Das ist mir lieber, als wenn sie so tut, als wäre überall alles gleich gut abgedeckt.
Umsortieren und teilen, wenn man will
Die fertige Route lässt sich per Drag & Drop umsortieren, du kannst Spots wie Restaurants oder Ausflugsziele an einen Wegpunkt hängen. Und du entscheidest, wer sie sieht: privat, per Link an Familie und Freunde, oder öffentlich für die ganze Community. Auf Wunsch mit Live-Tracking, sodass andere während der Fahrt mitverfolgen, wo du gerade bist.

Dazu kommt ein Reiseatlas: gefahrene Touren sammeln, Fotos hinterlegen, und am Ende des Jahres hast du ein Archiv statt eines Ordners voller Screenshots.
Und die Sensoren?
Die sind nicht weg, sie sitzen in derselben App. Wasser, Gas und Reifendruck in Echtzeit. Genau das ist der Gedanke hinter der Plattform: eine Oberfläche für die Reiseplanung und für das, was das Fahrzeug gerade meldet, statt zwei Apps und ein Zusatzgerät.
Angeteasert hat Josef außerdem den SuperSense 5, der zwei Sensoren in einem Gehäuse vereint und wasserdicht ist. Das wird ein eigenes Video.
Zahlen und trotzdem Daten liefern: der Normalfall
Unter dem Video kam der Einwand, der bei jeder Community-App kommt: Die Nutzer füttern die Datenbank, und zahlen sollen sie auch noch. Der Punkt ist berechtigt, nur ist er kein Sonderfall von DigiCamper. Er ist der Normalfall, und zwar bei Dingen, die du längst bezahlt hast.
Dein Mobilfunkvertrag. Telefónica (o2, E-Plus, BASE) vermarktet seit 2016 anonymisierte Bewegungsdaten, die Telekom tut es ebenfalls. Gefragt wirst du nicht — du musst aktiv widersprechen. Bezahlt hast du den Vertrag trotzdem.
Dein Fahrzeug. Die Mozilla Foundation hat 2023 die Datenschutzerklärungen von 25 Automarken untersucht, darunter BMW, Ford, Toyota, Tesla, Kia und Subaru. Alle 25 sind durchgefallen, zum ersten Mal in sieben Jahren dieser Untersuchung. Mozillas Urteil: Autos sind die schlechteste Produktkategorie, die sie je getestet haben. Erfasst werden je nach Hersteller Standort, Fahrverhalten und Sprachaufnahmen, in einzelnen Erklärungen bis hin zu Gesundheitsdaten.
Wichtig zur Einordnung
Mozilla hat die US-Fassungen der Datenschutzerklärungen geprüft. In der EU greift die DSGVO und schränkt einen Teil davon ein. Was das Fahrzeug technisch erfasst, ändert das nicht — nur, was der Hersteller damit tun darf.
Dein Streaming-Abo. Amazon hat am 5. Februar 2024 Werbung in Prime Video eingeführt, mitten im laufenden Abo. Werbefrei kostet seither 2,99 Euro extra. Das Landgericht München hat Ende 2025 entschieden, dass das so nicht zulässig war; rund 330.000 Verbraucher haben sich der Sammelklage angeschlossen.
Was ich daraus mitnehme: Die Frage ist selten, ob Daten anfallen, sondern wohin sie fließen. Bei einer Community-App landet dein Beitrag in derselben Datenbank, die du selbst benutzt — der Platz, den du einträgst, hilft dir beim nächsten Mal. Bei verkauften Bewegungsdaten siehst du nie etwas davon.
Was DigiCamper kostet
Am Messestand fiel kein Wort über Preise, deshalb habe ich sie nachgeschlagen. Der Kern bleibt kostenlos: Konto anlegen, Plätze suchen, Routen planen. Wer mehr will, kauft DigiCamper Pro, und zwar in drei Laufzeiten. Alle Preise inklusive Mehrwertsteuer, abgelesen am 1. September 2026:
| Ticket | Laufzeit | Preis | pro Monat |
|---|---|---|---|
| Monatsticket | monatlich, Abo | 6,99 € | 6,99 € |
| Jahresticket | 12 Monate, kein Abo | 60,00 € | 5,00 € |
| 2-Jahresticket | 24 Monate, kein Abo | 95,00 € | 3,96 € |
Der Unterschied ist größer, als die Zahlen auf den ersten Blick wirken. Zwölf Monatstickets kosten zusammen 83,88 Euro, das Jahresticket 60 — also knapp 24 Euro weniger. Wer gleich zwei Jahre nimmt, zahlt 95 statt 167,76 Euro.
Wichtig für alle, die Abos nicht mögen: Nur das Monatsticket verlängert sich automatisch, kündbar ist es jederzeit. Das Jahres- und das 2-Jahresticket laufen einfach aus, da wird nichts nachgebucht.
Was Pro laut Shopbeschreibung freischaltet: Incognito-Modus, bis zu zehn eigene Gruppen, bis zu 50 Wegpunkte pro Trip, die Distanzanzeige zwischen den Wegpunkten, Wegpunkte kopieren und mit Notizen versehen, GPX-Import und -Export, KML-Export, gemeinsames Bearbeiten eines Trips, eine private Packliste, den Trip als PDF mit QR-Code drucken und bis zu zehn Travelbooks.
Woher diese Zahlen kommen
Nicht vom Messestand, sondern aus dem DigiCamper-Shop, abgelesen am 1. September 2026. Preise ändern sich — im Zweifel selbst nachsehen.
Was kostet DigiCamper?
Der Kern ist kostenlos. DigiCamper Pro kostet 6,99 Euro im Monat, 60 Euro im Jahr oder 95 Euro für zwei Jahre, jeweils inklusive Mehrwertsteuer. Nur das Monatsticket ist ein Abo. Stand 1. September 2026, aus dem DigiCamper-Shop. Zu den Preisen der Sensorhardware fiel am Stand nichts, deshalb steht hier auch keine Zahl.
Woher nimmt Trips AI die Vorschläge?
Aus der eigenen Datenbank von DigiCamper, nicht aus dem offenen Internet. Schon gefahrene Routen und Plätze mit guten Community-Bewertungen werden bevorzugt.
Sehen andere Camper automatisch, wo ich stehe?
Nein. Der Live-Standort ist standardmäßig aus und muss selbst freigeschaltet werden.
Kann ich eine geplante Reise mit anderen teilen?
Ja, in drei Stufen: privat, per Link an einzelne Personen, oder öffentlich für die ganze Community. Auf Wunsch mit Live-Tracking während der Fahrt.
Brauche ich für die Sensoren eine zweite App?
Nein. Wasser, Gas und Reifendruck laufen in derselben Oberfläche wie die Reiseplanung.
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