Tipps und Tricks für verschiedene Motive bei der Reisefotografie
Nach den allgemeinen Tipps zur Reisefotografie geht es jetzt ins Detail. In den nächsten Zeilen werdet ihr konkrete Tipps und Tricks zu den verschiedenen Motiven (auch Genres genannt) finden, die euch in der Urlaubsfotografie begegnen können. Auch hier liegt der Fokus wieder auf die Fotografie mit dem Handy, aber natürlich funktionieren alle Techniken mit jeder Kamera.
Campen
Wir sind hier auf einem Camping Blog und es geht um Urlaubsfotos. Was also liegt näher, als Camping als das Subjekt zu nutzen.
Sei es das eigene Fahrzeug, oder aber das Camp. Immer gut geht auch ein Bild aus dem Camper heraus. Die Aussicht eingerahmt von der Türe gibt zum einen ein Rahmen, zum anderen zeigt es wo und wie man steht.

Auch immer ein Bild wert sind die Campingstühle vor dem Meer- oder Bergblick. Das weckt Fernweh und zeigt die schönen Seiten des Campings.

Wollt ihr euer Fahrzeug in das Bild einbauen, denkt an den Eyecatcher im Hintergrund. Nicht nur kann er die Umgebung darstellen, auch der Bildaufbau, wie wir in den vergangenen Teilen dieser Reihe gelernt haben, bringt ein harmonisches Bild. Überlegt euch also wie immer vor dem Bild, was wollt ihr zeigen, was ist der Fokuspunkt und wie sollte ich den Bildaufbau gestalten, damit es wirkt.

Menschen
Menschen werden wohl zumindest das zweithäufigste Motiv der meisten Leser sein. Sei es die eigenen liebsten, oder aber fremde auf der Straße. Menschen lösen in uns automatisch Gefühle aus und so gibt es ein paar Dinge, die ihr beachten solltet, wenn ihr menschliche Gesichter ablichtet.
Zuerst solltet ihr gerade bei der Wahl der Brennweite (was die meisten als Zoom bezeichnen) vorsichtig sein. Ein Weitwinkel kann sich gerade bei Gesichtern ungünstig auswirken. Objekte werden dadurch breiter dargestellt, was die meisten fotografierten nicht so schön finden dürften. Daher ist es sinnvoller eine Tele-Einstellung (x2 oder x3 Objektiv auf dem Handy wählen) bei Nahaufnahmen eines Gesichts zu verwenden. Müsst ihr mit dem Weitwinkel fotografieren, geht lieber nicht so nahe heran.

Der zweite und wichtigere Punkt ist es auf die Augen zu fokussieren. Viele Mobiltelefone machen das automatisch, aber achtet darauf, dass es wirklich so ist. Die Augen sind für Menschen der wichtigste Ankerpunkt und deshalb müssen diese auf jeden Fall scharf sein. Sonst wirkt ein Bild nicht.

Der dritte Punkt ist, möglichst immer auf Augenhöhe zu fotografieren. Von oben herab wirken die Personen unterdrückt. Nach oben fotografiert, kann sich der Betrachter wiederum als unterwürfig vorkommen. Am besten wirkt ein Foto immer, wenn es auf Augenhöhe aufgenommen wurde. Das sollte man auch gerade bei Kindern beachten, auch wenn man dazu auf die Knie muss.

Kontext herstellen
Wie bereits in Teil 2 gelernt, ist Kontext durchaus wichtig. So macht es auch bei Menschenaufnahmen die Umgebung mit einzubeziehen. Wo lebt der Mensch, was macht er, hat er einen Beruf? All das kann man in sein Bild miteinbeziehen und so ein Gefühl für das Leben und die Bedingungen des Menschen herstellen.
Für mich ist das Bild der Massai Frau unten ein Paradebeispiel dafür. Man sieht, wo sie lebt. Der Kilimandscharo gibt Kontext über die möglichen Länder und sie läuft dem warmen Sonnenlicht entgegen. Eine Nahaufnahme hätte sicherlich auch funktioniert, hätte den Betrachter aber vermutlich deutlich weniger abgeholt.
Außerdem ist es eines meiner Lieblingsbilder.

Das Problem mit den Gesichtern
Das Fotografieren fremder Personen kann durchaus problematisch sein. Gerade in muslimischen Ländern möchten viele Menschen keine Bilder von sich machen lassen. Doch auch das kann man lösen. Man kann Menschen auch wunderbar einbauen, ohne ihre Gesichter zu fotografieren und somit ihre Gefühle oder Rechte zu verletzen.
Am einfachsten umgeht man diesen Fakt, indem man fremde Menschen von hinten fotografiert. Gerade wenn diese einheimische Kleidung tragen, fügen sie Bildern dennoch Kontext hinzu. Außerdem können sie Bewegung in Szenen bringen und somit Bilder auflockern, oder aber interessanter machen. Auch die Nutzung von Details kann durchaus eine Möglichkeit sein, Personen nicht direkt abzulichten. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Details
Achtet auf Details. Das kann auch bei Menschen recht interessant sein. Gibt es vielleicht typische Kleidungsstücke, die in der Region getragen werden? Oder könnt ihr bei Handwerkern nahe an das Werkstück heran?
Auch bei Gebäuden macht es manchmal Sinn, Details abzubilden. Wenn der Platz vor der Kirche voll mit Touristen ist, kann man auch die Details in der Fassade fotografieren. In manchen Ländern bieten sich wiederum die Eingangstüren von Wohnhäusern an, weil diese bunte Tupfer bilden. Auch als zusätzliches Bild würde ich versuchen einige Details einzufangen, um besonders schöne Stellen besser abzubilden und für den Betrachter sichtbar zu machen.

Essen
Manche Speisen verbinden wir sofort mit gewissen Ländern. Die Küche ist in den meisten Ländern einzigartig und bei manchen Ländern sogar der Grund, warum sie so beliebt sind. Entsprechend ist es immer ein guter Rat, ein paar Essensfotos mitzubringen. Bei diesen Bildern solltet ihr auf Nahaufnahmen setzen und durchaus nah herangehen.
Wichtig dabei ist es, die Belichtung etwas länger einzustellen (überbelichten, also das Bild heller machen). Wie das geht, findet ihr im Technik Artikel. Essen profitiert eigentlich immer von einem hellen, frischen Look. Schließlich sind hier die Farben und Formen besonders wichtig.
Landschaft
Landschaften sind oft ein sehr anspruchsvolles Genre der Reisefotografie. Meistens werdet ihr diese Aufnahmen im Weitwinkel, oder gar Ultraweitwinkel (bspw. die 0,5x Anzeige bei iPhones) machen wollen. Schließlich soll ja alles auf das Bild von der schönen Aussicht. Doch dabei liegen einige Fallstricke. Gerade bei diesen Bildern kommt oftmals das Gefühl auf, dass sie das gesehene nicht wiedergeben. Genau das Gefühl kommt dann erst recht beim unabhängigen Betrachter auf und das wollen wir ja nicht.
Das Problem ist die zweidimensionale Darstellung der dreidimensionalen Landschaft. Genau deshalb brauchen wir bei der Landschaftsfotografie das vorher gelernte noch vielmehr, als bei anderen Genres. Also wendet gerade bei Weitwinkelaufnahmen folgende Punkte unbedingt an:
- Überlege, was Dich am meisten an der Szenerie fasziniert
- Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund sollten immer da sein
- Spiele mit Symmetrie, oder der Drittelregel, je nachdem, was besser zum Bild passen könnte
- Versuche den Blick durch Linien (bspw. Bergrücken oder Wege) zu lenken
- Gehe in die Knie, oder schieße das Bild von weiter oben. Die Perspektive ist bei Landschaftsaufnahmen wichtig und wenige Zentimeter können das Bild verändern
Die Punkte sind nach ihrer Priorität sortiert. Das Wichtigste ist also auf jeden Fall die Frage, was Euch an der Szene interessiert. Sind es die grünen, sanften Hügel? Oder sind es die schroffen Kanten der Berge? Wenn ihr wisst, was es ist, dann versucht es in Szene zu setzen. Am besten im Mittelgrund.

Bonus Tipp:
Naturaufnahmen werden besonders gut, wenn das Wetter einmal nicht so schön ist. Das Bild über diesem Abschnitt entstand bei Nieselregen und herbstlichem Wetter. Dennoch, bzw. gerade deshalb hat es einen eigenen Charme. Deshalb ist mein Tipp, holt das Handy oder die Kamera auch bei nicht so gutem Wetter heraus.
Den meisten Handys machen ein paar Wassertropfen heutzutage nichts mehr. Und gerade Kameras halten deutlich schlechteres Wetter aus, als die meisten Besitzer vermuten. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch einfach eine Zippertüte (fürs Handy), oder eine Plastik Duschhaube für die Kamera nehmen. Darüber gestülpt hallt sie das gröbste ab. Und im Zweifelsfall ist der Schirm eben für die Kamera und nicht den Fotografen.
Natur
Neben Landschaft und Tieren fassen wir hier mal den Rest zusammen, der uns in der Natur vor die Linse kommen kann. Einen Fokus würde ich auf die kleinen Dinge legen. Pflanzen, Pilze und andere Gewächse sind sehr geduldige Motive. Das allerdings nur, wenn der Wind nicht das Gegenteil aus ihnen macht.
Gegen starken Wind hilft es ganz einfach den Stiel der Pflanze mit einer freien Hand vorsichtig etwas zu stabilisieren. Eventuell kann ja ein Begleiter dabei helfen, denn die stabile Aufnahmetechnik, die wir in Teil 1 gelernt haben, solltet ihr nicht vergessen. Achtet dabei bitte darauf, die Pflanzen, oder was auch immer nicht zu beschädigen und verletzen!
Bei solchen Aufnahmen ist das Ziel, möglichst nahe an das Motiv zu gehen. Doch hier müsst ihr etwas aufpassen. Euer Handy hat eine bestimmte Naheinstellgrenze. Diese ist bei verschiedenen Mobiltelefonen unterschiedlich. Diese solltet ihr bei so einer Aufnahme herausfinden und dann entsprechend etwas mehr Abstand zum Motiv lassen. Ab der Naheinstellgrenze kann euere Kamera das Bild nicht mehr scharfstellen (ähnlich wie bei eurem Auge auch). Wenn das Handy also nicht mehr fokussiert, dann geht wieder etwas zurück.
Wenn ihr das Motiv gerne formatfüllend abbilden wollt, das aber aus besagtem Grund nicht funktioniert, denkt an unsere Aufnahmetechniken. Vielleicht lässt sich die Drittelregel nutzen, und achtet auf die Ränder.

Tiere
Tiere sind tatsächlich eines der Themen, welches mit dem Handy etwas schwer zu fotografieren sind. Daher mein Tipp eich auf Tiere zu konzentrieren, die zwar typisch für die Region sind, aber auch mit dem Mobiltelefon fotografisch festgehalten werden können. Das können größere Tiere, oder domestizierte Tiere sein.
In manchen Gegenden gibt es die Möglichkeit, mit Rangern, oder Guides deutlich näher an die lokalen Tiere heranzukommen. Das kann ich nur jedem empfehlen, denn diese Personen wissen, wie man zwar nah an die Tiere kommt, sie aber dennoch respektvoll behandelt.
Besonders gut funktionieren auch Insekten. Viele aktuelle Handys haben eine sogenannte Makro Funktion, welche es ermöglicht sehr nahe an das Objekt heranzugehen und dennoch scharfe Fotos zu bekommen. Wer das schon probiert hat, bekam vermutlich Probleme, dass das Tier irgendwann wieder losflog, bevor man auslösen konnte. Einen kleinen Trick dafür gibt es aber. Zwar ist es keine Garantie, aber die Chancen steigen erheblich: Versucht Insekten (Schmetterlinge, Libellen, usw.) am frühen Morgen, oder späten Abend zu fotografieren. Bei kühlen Temperaturen werden Insekten langsam und reagieren teilweise gar nicht mehr.
Wenn alle Stricke reißen, gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit in Zoos oder Tierparks zu gehen. Im Idealfall bieten diese dann natürlich artgerechte Haltung…

Architektur
Architektur kann durchaus ein anspruchsvolleres Thema sein, als es auf den ersten Blick scheint. Gebäude haben durch ihre Höhe das Problem, dass sie gerade bei Weitwinkelaufnahmen zum „Kippen“ neigen. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Gebäude nach vorne, oder hinten kippen.
Hier solltet ihr versuchen, die Gebäude von etwas weiter zu fotografieren. Dadurch können gerade Türme von Kirchen oder ähnliches gerader erscheinen. Wenn ihr das nicht könnt, weil beispielsweise die Gassen zu schmal sind, ist Kreativität gefragt. So kann man beispielsweise noch weiter in die Knie gehen, um das Gebäude erst recht von unten zu fotografieren. Meistens wirkt das besser, als ein leichtes Kippen der Gebäude.
Besonders auf das Abschneiden am Bildrand muss man hier achten, denn dort passiert es schnell ein wenig abzuschneiden. Am besten ihr lasst sogar noch etwas mehr Abstand an den Rändern, denn wer sich die Nachbearbeitung zutraut, der kann mit vorsichtigem Strecken des Bildes sogar das Kippen der Gebäude etwas abschwächen. Dafür braucht ihr aber etwas Platz an den Rändern.
Zwei Dinge können euch noch zusätzlich helfen, Gebäude besser in Szene zu setzen:
- Größenvergleich: Nutzt etwas, das die Größe des Gebäudes darstellt. Meistens werden sich sowieso Personen dort aufhalten. Vielleicht machen sie gerade etwas Typisches für die Gegend, oder sie bestaunen selbst das Bauwerk.
- Details: Gerade bei älteren Gebäuden gibt es immer wieder Details, die es sich hervorzuheben lohnt. Dabei kann man auch hervorragend Licht und Schatten der vielleicht vorhandenen Sonne zu nutzen.
Strukturen
Strukturen sind sehr speziell, aber sie können sich überall finden. Besonders Böden bieten oft spektakuläre Bilder. Dabei solltet ihr auf wiederholende Formen, Symmetrie, Farben oder Linien achten, die das Bild harmonisch erscheinen lassen.
Hierfür braucht ihr tatsächlich ein wenig Übung, aber wenn man einfach immer die Augen offen hält, dann findet man an den unerwartetsten Orten etwas. Vielleicht auch an Wänden von Holzbauten während einer Wanderung.

Noch ein Tipp für eure Reisefotografie nach der Reise
Druckt auch ab und zu mal ein Bild aus. Wenn euch ein Bild besonders anspricht, und euch an vielleicht einzigartige Erlebnisse auf der Reise erinnert, dann druckt es auch mal aus. Das geht heutzutage einfach und günstig, fast überall. Ein gedrucktes Bild ist noch einmal eine ganz andere Erfahrung, die zwischenzeitlich etwas in Vergessenheit geraten ist. Wenn ihr das tut, dann macht das aber nicht im 10×15 Standardformat, sondern traut euch das Ganze auf DIN A4, oder noch größer auszudrucken. Die Qualität gibt das locker her und die Bilder wirken komplett anders auf hochwertigem Fotopapier. Vielleicht kann auch ein regelmäßiger Kalender motivieren, eure Favoriten zu wählen und zu drucken.

Ich drucke die Bilder selbst (weil es sich bei mir lohnt) auf einem professionellen Drucker in A3 aus. Dafür habe ich an einer Wand hochwertige Bilderrahmen, welche einen einfachen Wechsel erlauben, aufgehängt. Dort werden immer wieder neue Bilder aufgehängt. Auch das lässt sich relativ leicht bewerkstelligen und gibt einen zusätzlichen Lerneffekt für die eigenen Fotos.

Abschließende Worte zur Reisefotografie
Reisefotografie ist individuell und vielseitig. Es gibt kein richtig, oder falsch. Es geht darum, Erinnerungen festzuhalten und im Idealfall Sehnsucht beim Gegenüber zu wecken. Deshalb sollen die drei Teile dieser Reihe als Grundstein verstanden werden. Grundstein für eure eigenen unvergesslichen Urlaubsfotos. Urlaubsfotos, die man gerne zeigt und die andere gerne sehen.
Versucht das Gegenüber nicht mit Bildern zu überfluten, sondern zeigt gezielt einige Bilder, die stellvertretend für die Reise stehen sollen.
Aber vor allem: Geht raus und habt Spaß. Bilder sind Mittel zum Zweck. Man möchte sich erinnern, aber dafür muss man sich erinnern können. Also schaut nicht nur durch die Linse. Seid im Hier und Jetzt. Jagt nicht immer dem perfekten Bild hinterher (das fällt auch mir oft schwer). Und ganz wichtig: Habt Spaß und genießt das Reisen!
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