Wie Mobylines mit seinen Fahrgästen ohne deren Wissen zusätzliches Geld „verdient“
EU-Roaming ist wirklich etwas Tolles. Man aktiviert daher das Roaming auf dem Smartphone und freut sich, in bis zu 31 europäischen Ländern, darunter 27 EU-Ländern, das Internet, SMS und Telefonate wie im Heimatland nutzen zu können – alles inklusive.

Kostenfalle Roaming auf Fähren, wie z. B. bei Mobylines
Doch das ändert sich, sobald man eine Fähre, wie z. B. von Mobylines, betritt. Dann wird es ganz schnell unseriös und vor allem sehr teuer, wenn man nicht ganz strikt aufpasst. Sobald man internationale Gewässer in Europa befährt, gelten die EU-Roamingregeln nicht mehr. Dies gilt für Fähren, Kreuzfahrtschiffe und ebenso in Flugzeugen.
Das muss man vorher aber erst mal wissen. Am 5. September 2024 befanden wir uns auf dem Rückweg von Olbia (Sardinien) nach Livorno (Italien). Nach 3 Stunden und 45 Minuten nach dem Ablegen erhielt ich von Vodafone folgende Textnachricht.
Sehr geehrte Vodafone-Kundin, sehr geehrter Vodafone-Kunde, Sie haben bald das Data Roaming Limit von 50 EUR (zzgl. MwSt.) erreicht. Um diese Kostengrenze aufzuheben, senden Sie „Ja“ an die 70125. Achtung: Je nach Datennutzung können Ihnen hohe Kosten entstehen. Freundliche Grüße, Ihr Vodafone Business-Team

Das sollte die erste und einzige Nachricht, welche während der gesamten Fahrt bleiben, welche auf diese Kostenfalle hindeuten wird. Weder in den Buchungsunterlagen, noch weitere Nachrichten weisen auf eine kostenintensive Nutzung auf der Fahrt mit der Fähre hin. Ganz im Gegenteil.
Der Werbeslogan von Mobylines – Free Wi-fi: surf for free even in the middle of the sea!
Was aber passiert, wenn das wackelige WiFi an Board nicht zur Verfügung steht, folgt sogleich.
EU Roaming Preisbremse bei 59,50 inklusive Steuer zieht
Glück im Unglück. Die EU Roaming Preisbremse zieht. Diese 50 Euro netto entsprechen 59,50 Euro mit Steuer und ist das festgesetzte Limit in der EU, um uns Verbraucher vor überhöhten Gebühren zu schützen. Dieses Limit und Kostenbremse gilt seit 2010 und diese Warnmeldung ist für den Provider verpflichtend.
Allerdings scheint es – in Foren – Ausnahmen zu geben, wo hunderte Euro in Rechnung gestellt wurden. Validieren lassen sich diese Aussagen mangels Screenshots jedoch nicht.
Vodafones Antwort – bald hier
Ich bin gespannt, was der Kundendienst von Vodafone Business verlauten lassen wird. Ich werde die Antwort folgender Anfrage hier veröffentlichen.
Sehr geehrtes Vodafone Business Team,
ich bin am 05. September 2024 mit der Fähre von Mobylines von Olbia nach Livorno gereist. Mein Smartphone hat sich auf der Fähre in ein Netz 901 19 bzw. 90119 eingebucht.
Das EU-Kostenlimit von netto 50 Euro hat mich zum Glück gebremst.
Folgende Fragen:
- Warum lassen sie mich in eine so offensichtliche Kostenfalle hineinlaufen?
- Warum weist niemand auf die exorbitanten Kosten hin. Jeder Landeswechsel wird von Vodafone mehrfach per SMS angekündigt.
- Es ist technisch möglich, seitens des Providers Netze zu sperren, warum macht Vodafone das nicht?
- Wie lässt sich das in Zukunft technisch verhindern?
Mit freundlichen Grüßen
Florian Buchberger
Zumindest die Verbraucherzentrale schlaut auf
Im Nachhinein hat mich die Verbraucherzentrale erheblich aufgeschlaut. Alle folgenden Frage werden dort bessert beantwortet, als ich es kann.
- Kann ich auf dem Meer mit meinem inländischen Vertrag telefonieren?
- Gelten die EU-Roaming-Verordnung und Roaming-Angebote auf Schiffen?
- Warnung vor hohen Roaming-Kosten: Was für Pflichten haben Mobilfunkanbieter?
- Welche Preise gelten für Mobilfunkverbindungen via Satellit?
- Ihre Erfahrungen sind wichtig!
- Gibt es auf See WLAN?
- Wann bekomme ich das schiffseigene und wann das landbasierte Mobilfunknetz?
- Gibt es kostengünstige/kostenlose Alternativen zum schiffseigenen Netz?
- Muss ich hohe Roaming-Kosten durch Satellitenverbindungen bezahlen?
- Hohe Roaming-Kosten auf dem Schiff vermeiden – wertvolle Tipps
Wie kommt es immer wieder zu diesen exorbitanten Kosten bei Mobylines?
Technisch kann ich erklären, wie es zu diesem seit Jahren praktizierten Umsatzsteigerung für Mobylines kommt. In unserem Fall sogar auf dem neusten Schiff, der Moby Legacy, die erst 2022 vom Stapel gelaufen ist.
Mobylines bietet langsamstes WLAN an
Dieses habe ich entsprechend genutzt. Mit zirka doppelter ISDN Geschwindigkeit werden die Smartphones an Board des Schiffes mit WLAN versorgt. Bricht die WLAN-Verbindung durch einen Ortswechsel oder technischen Problemen innerhalb der Fähre ab, so bucht sich das Smartphone in das nächstliegende Mobilfunknetz ein.
Das Mobilfunksignal der Fähre 901 19 bzw. 90119 von Mobylines ist dabei so stark, dass das Smartphone das Netz von Mobylines wählt, obwohl regulärerer Mobilfunk aus Sardinien, Korsika oder Elba über lange Strecken gut möglich war. Teilweise waren 2 Balken von SFR bei manueller Wahl sichtbar, aber es wurde bei automatischer Auswahl der Provider 901 19 bzw. 90119 gewählt. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Mobylines bietet teuerstes Internet über 901 19 bzw. 90119 an
Der Verbraucher wird vorher übrigens NICHT über Preis informiert. Jeder Landeswechsel wird von Providers mit vielfachen SMSn kommentiert, aber bei der 901 19 bzw. 90119 blieb alles stumm. Ich werde bei Vodafone später noch anfragen, wie es dazu kommen konnte.
Vodafone versiebt knapp 60 Euro
Die Preise dieses satellitengestützten Internets von Mobylines ist dabei so teuer, dass bereits wenige Megabyte an Daten das EU-Kostenlimit von 59,50 Euro gesprengt wird und eine wenigstens Warn-SMS verschickt wird. Es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Provider dazu gesetzlich verpflichtet sind, sonst würde das vermutlich nicht passieren. Bei Vodafone die bis dato einzige Möglichkeit wenigstens eine Notbremse zu nutzen.
O2 blieb neutral
Vermutlich weil sich O2 gar nicht bei 901 19 bzw. 90119 eingebucht hatte. Das ist allerdings nur eine Vermutung aufgrund mehrerer Screenshots, welche ich zu dieser Zeit gemacht hatte.

Wie kann ich mich vor hohen Kosten auf Fähren schützen?
Technisch geht das nur, wenn man das Roaming im Smartphone abschaltet. Mit hoher Wahrscheinlichkeit reicht das aber nicht, da der Anbieter 901 19 bzw. 90119 bzw. Mobylines für eingehende und abgehende Anrufe ein irres Geld pro Minute verlangt. Das heißt eingehende Anrufe, werden wie außerhalb der EU mit saftigen Aufschlägen versehen.
Mobylines erwähnt laut Googlesuchmaschine davon nichts
Genau lässt sich das nicht feststellen, denn Mobylines stellt dazu keine FAQ auf ihrer Webseite zur Verfügung und die Fakten im Internet sind oft mit sehr subjektiven Meinungen vermischt.
Es bleibt festzuhalten. Es scheint hier hochgradig unseriöses Geschäft betrieben zu werden. Und die Mobilfunkanbieter schauen zu, obwohl es mit hoher Wahrscheinlichkeit möglich sein sollte, einen Roaming Partner über die PRL – Preferred Roaming List – zu sperren.
Daher bleibt nur der Flugmodus und aktiviertes WLAN, um von Mobylines bereitgestellte langsame Internet zu nutzen.
Falls jemand eine andere Lösung kennt, dann gerne ab damit in die Kommentare.

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