Wie Mobylines mit seinen Fahrgästen ohne deren Wissen zusätzliches Geld „verdient“
Update 2026
Dieser Beitrag ist im September 2024 nach unserer Überfahrt mit der Moby Legacy entstanden. Seitdem hat sich bei den Providern einiges getan. Ich habe den Artikel komplett überarbeitet. Mit dem aktuellen Stand zu O2, Telekom, Vodafone und 1&1, einer Schutz-Checkliste und einem FAQ.
EU-Roaming ist eine feine Sache
Du buchst dich in 27 EU-Ländern und einigen weiteren europäischen Ländern ins Netz ein und surfst, simst und telefonierst wie zuhause. Alles inklusive, garantiert bis mindestens 2032.
Bis du eine Fähre betrittst.
Denn sobald sich dein Smartphone in das Bordnetz eines Schiffes einbucht, gilt die EU-Roaming-Verordnung nicht mehr. Das Bordnetz läuft über Satellit und satellitengestützte Netze sind von der Verordnung ausdrücklich ausgenommen. Ab da zahlst du Weltraum-Preise, im wahrsten Sinne des Wortes. Genau das ist mir auf der Überfahrt von Olbia nach Livorno mit der Moby Legacy passiert. Die ganze Geschichte, die aktuellen Fakten und vor allem der Schutz davor, jetzt hier im Detail.

Meine Kostenfalle auf der Moby Legacy
September 2024, Rückweg von Sardinien. Die Moby Legacy ist das neueste Schiff der Flotte, erst 2022 vom Stapel gelaufen. Moby wirbt an Bord selbstbewusst mit dem Slogan „Free Wi-fi: surf for free even in the middle of the sea!“.
Das Bord-WLAN habe ich brav genutzt. Die Geschwindigkeit lag bei zirka doppelter ISDN-Geschwindigkeit. Die Jüngeren unter euch dürfen das gerne googeln, aber bitte nicht über das Bordnetz.
Das eigentliche Problem. Bricht das wackelige WLAN ab, und das tut es bei einem Ortswechsel auf dem Schiff gerne, sucht sich dein Smartphone automatisch das stärkste Mobilfunknetz. Und das stärkste Netz an Bord ist nicht das Landnetz von Sardinien, Korsika oder Elba, sondern das Bordnetz der Fähre mit der Kennung 901 19. Netze mit der Vorwahl 901 sind internationale Satellitennetze, die keinem Land zugeordnet sind. Genau deshalb greift dort kein EU-Roaming.
3 Stunden und 45 Minuten nach dem Ablegen kam dann diese SMS von Vodafone:

Wenige Megabyte im Hintergrund, knapp 60 Euro weg. Kein Hinweis von Moby an Bord, keine Preisinfo vor der Einbuchung, nur diese eine SMS. Mein O2-Zweithandy blieb übrigens komplett still. Warum das so war, wusste ich damals noch nicht. Heute schon, dazu gleich mehr.
Was kostet Internet und Telefonieren im Bordnetz wirklich?
Die Verbraucherzentrale nennt für schiffseigene Satellitennetze diese Größenordnungen:
Daten: bis zu 30 Euro pro Megabyte
Abgehende Anrufe: zirka 3 bis 7 Euro pro Minute
Eingehende Anrufe: zirka 1,50 bis 7 Euro pro Minute
SMS: bis zu 1,50 Euro pro Stück
Zur Einordnung: Ein einziges automatisches App-Update im Hintergrund kann größer sein als das komplette EU-Kostenlimit. Dein Smartphone muss dafür nur wenige Minuten unbemerkt im Bordnetz hängen.
Und wichtig: Eingehende Anrufe kosten dich auch dann Geld, wenn du gar nicht rangehst und die Mailbox anspringt.
Im Nachhinein hat mich die Verbraucherzentrale erheblich aufgeschlaut. Alle folgenden Fragen werden dort beantwortet.
- Kann ich auf dem Meer mit meinem inländischen Vertrag telefonieren?
- Gelten die EU-Roaming-Verordnung und Roaming-Angebote auf Schiffen?
- Warnung vor hohen Roaming-Kosten: Was für Pflichten haben Mobilfunkanbieter?
- Welche Preise gelten für Mobilfunkverbindungen via Satellit?
- Ihre Erfahrungen sind wichtig!
- Gibt es auf See WLAN?
- Wann bekomme ich das schiffseigene und wann das landbasierte Mobilfunknetz?
- Gibt es kostengünstige/kostenlose Alternativen zum schiffseigenen Netz?
- Muss ich hohe Roaming-Kosten durch Satellitenverbindungen bezahlen?
- Hohe Roaming-Kosten auf dem Schiff vermeiden – wertvolle Tipps
Die 59,50-Euro-Bremse: dein wichtigster Schutz, aber kein Vollkasko
Seit dem 1. Juli 2022 sind die Provider verpflichtet, dich per SMS zu warnen, wenn sich dein Handy in ein Satellitennetz einbucht, und die Datenverbindung bei 59,50 Euro (50 Euro netto) automatisch zu kappen. Das gilt ausdrücklich auch auf Schiffen. Diese Bremse hat mich damals gerettet.
Nicht blind darauf verlassen, denn …
Die Bremse gilt nur für Daten. Telefonate und SMS laufen ungebremst weiter.
Bei Satellitenabrechnung kommen die Verbindungsdaten teils verzögert beim Provider an. In Foren finden sich Fälle, in denen trotzdem hunderte Euro aufgelaufen sind.
Bei manchen Business-Verträgen ist das Limit anders konfiguriert oder deaktiviert. Ein Leser hier im Blog stand nach einer Überfahrt mit rund 250 Euro auf der Uhr, Vodafone hat aus Kulanz die Hälfte erlassen.
Eine einzige unbedachte „Ja“-Antwort auf die Limit-SMS und die Bremse ist weg.

So gehen die Provider 2026 mit der Kostenfalle um
Hier hat sich seit meiner Überfahrt tatsächlich etwas bewegt.
Der Stand bei den vier deutschen Netzanbietern
Unterschiedlicher könnte es nicht sein.
O2 / Telefónica
Hat Roaming in Schiffs- und Flugzeugnetzen bereits 2022 komplett eingestellt. Dein Handy kann sich in die Bordnetze gar nicht erst einbuchen. Das erklärt auch, warum mein O2-Gerät auf der Moby Legacy stumm blieb. Radikal, aber aus Kundensicht die sauberste Lösung.
Telekom
Sperrt Datenroaming auf Schiffen standardmäßig. Nutzen kannst du das Bordnetz nur, wenn du aktiv einen speziellen Datenpass buchst. Dazu kommt der Kosten-Airbag bei 59,50 Euro.
Vodafone
Hier ist Roaming im Bordnetz weiterhin möglich. Immerhin wurden maritime Netze in eine günstigere Preiszone umgruppiert und es gibt gestaffelte Datenlimits mit Warn-SMS bei 80 Prozent. Die Grundfalle bleibt aber bestehen. Dein Handy darf sich einbuchen und die Preise sind weiterhin happig.
1&1
Sperrt Satellitennetze standardmäßig im Kundencenter. Wer sie aktiv freischaltet, surft bis zur 59,50-Euro-Grenze.
Mein Fazit dazu
Es ist technisch offensichtlich möglich, die Bordnetze providerseitig zu sperren. O2 und 1&1 machen es vor, die Telekom zumindest bei Daten. Warum das nicht überall Standard ist, darf sich jeder selbst beantworten.

Warum verdienen Fähren wie Moby daran mit?
Die Reederei betreibt das Bordnetz nicht selbst, sondern arbeitet mit spezialisierten maritimen Netzbetreibern zusammen und ist an den Umsätzen beteiligt. Das Bordsignal ist an Bord konstruktionsbedingt deutlich stärker als jedes Landnetz. Bei mir waren bei manueller Netzwahl zeitweise zwei Balken SFR aus Korsika sichtbar, die Automatik wählte trotzdem zuverlässig das Bordnetz 901 19.
Einen Preisaushang oder eine FAQ zu den Roaming-Kosten sucht man bei Moby bis heute vergeblich. Beworben wird lieber das kostenlose WLAN, das es inzwischen offiziell auf Moby Legacy, Fantasy, Aki und Wonder gibt. Auch das läuft über Satellit, ist entsprechend langsam und wetterabhängig. Für WhatsApp-Texte reicht es, für mehr eher nicht.
Ich formuliere es vorsichtig: Ein Geschäftsmodell, das davon lebt, dass Fahrgäste nicht wissen, in welchem Netz ihr Handy gerade hängt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass Aufklärung hier nicht die oberste Priorität hat.

Checkliste: So schützt du dich auf jeder Fähre
🔘 Suche deine Lösung
🔘 camper.help Newsletter
JEDE WOCHE – NEU
🔘 So hältst du uns unabhängig
Teile Artikel die dir geholfen haben
🔘 Camping Forum und deine Fragen
Patrick, Flo & Sophie helfen dir gerne weiter

Links oder schwierige Schlüsselwörter müssen durch eine Freigabe
