Kostenfalle Internet auf Fähren: Roaming an Bord vermeiden
Internet auf der Fähre wird im Bordnetz schnell teuer, ein MB kostet bis zu 30 Euro. Was O2, Telekom, Vodafone und 1&1 tun und wie du dich davor schützt.

Dieser Beitrag ist im September 2024 nach unserer Überfahrt mit der Moby Legacy entstanden. Seitdem hat sich bei den Providern einiges getan. Ich habe den Artikel komplett überarbeitet, mit dem aktuellen Stand zu O2, Telekom, Vodafone und 1&1, einer Schutz-Checkliste und den häufigsten Fragen.
Warum EU-Roaming auf der Fähre nicht gilt
EU-Roaming ist eine feine Sache. Du buchst dich in 27 EU-Ländern und einigen weiteren europäischen Ländern ins Netz ein und surfst, simst und telefonierst wie zuhause. Alles inklusive, garantiert bis mindestens 2032.
Bis du eine Fähre betrittst.
Denn sobald sich dein Smartphone in das Bordnetz eines Schiffes einbucht, gilt die EU-Roaming-Verordnung nicht mehr. Das Bordnetz läuft über Satellit und satellitengestützte Netze sind von der Verordnung ausdrücklich ausgenommen. Ab da zahlst du Weltraum-Preise, im wahrsten Sinne des Wortes. Genau das ist mir auf der Überfahrt von Olbia nach Livorno mit der Moby Legacy passiert. Die ganze Geschichte, die aktuellen Fakten und vor allem der Schutz davor, jetzt hier im Detail.
Meine Kostenfalle auf der Moby Legacy
September 2024, Rückweg von Sardinien. Die Moby Legacy ist das neueste Schiff der Flotte, erst 2022 vom Stapel gelaufen. Moby wirbt an Bord selbstbewusst mit dem Slogan „Free Wi-fi: surf for free even in the middle of the sea!“.
Das Bord-WLAN habe ich brav genutzt. Die Geschwindigkeit lag bei zirka doppelter ISDN-Geschwindigkeit. Die Jüngeren unter euch dürfen das gerne googeln, aber bitte nicht über das Bordnetz.
Speedtest im Bord-WLAN, 0,12 Mbit/s im Download
Das eigentliche Problem. Bricht das wackelige WLAN ab, und das tut es bei einem Ortswechsel auf dem Schiff gerne, sucht sich dein Smartphone automatisch das stärkste Mobilfunknetz. Und das stärkste Netz an Bord ist nicht das Landnetz von Sardinien, Korsika oder Elba, sondern das Bordnetz der Fähre mit der Kennung 901 19. Netze mit der Vorwahl 901 sind internationale Satellitennetze, die keinem Land zugeordnet sind. Genau deshalb greift dort kein EU-Roaming.
Das Vodafone-Handy hängt im Bordnetz 901 19
3 Stunden und 45 Minuten nach dem Ablegen kam dann diese SMS von Vodafone.
Die Warn-SMS von Vodafone kurz vor dem Limit
Wenige Megabyte im Hintergrund, knapp 60 Euro weg. Kein Hinweis von Moby an Bord, keine Preisinfo vor der Einbuchung, nur diese eine SMS. Mein O2-Zweithandy blieb übrigens komplett still. Warum das so war, wusste ich damals noch nicht. Heute schon, dazu gleich mehr.
Was Internet auf dem Meer kostet
Die Verbraucherzentrale nennt für schiffseigene Satellitennetze diese Größenordnungen.
Zur Einordnung. Ein einziges automatisches App-Update im Hintergrund kann größer sein als das komplette EU-Kostenlimit. Dein Smartphone muss dafür nur wenige Minuten unbemerkt im Bordnetz hängen.
Und wichtig. Eingehende Anrufe kosten dich auch dann Geld, wenn du gar nicht rangehst und die Mailbox anspringt.
Im Nachhinein hat mich die Verbraucherzentrale erheblich aufgeschlaut. Ihre Seite „Telefonieren und Surfen auf Schiffen“ beantwortet, ob die EU-Roaming-Verordnung auf Schiffen gilt, wann du im schiffseigenen und wann im landbasierten Netz hängst, was Verbindungen über Satellit kosten und welche Warnpflichten dein Anbieter hat.
Die 59,50-Euro-Bremse und ihre Grenzen
Seit dem 1. Juli 2022 sind die Provider verpflichtet, dich per SMS zu warnen, wenn sich dein Handy in ein Satellitennetz einbucht, und die Datenverbindung bei 59,50 Euro (50 Euro netto) automatisch zu kappen. Das gilt ausdrücklich auch auf Schiffen. Diese Bremse hat mich damals gerettet.
Nicht blind darauf verlassen
Die Bremse gilt nur für Daten. Telefonate und SMS laufen ungebremst weiter.
Bei Satellitenabrechnung kommen die Verbindungsdaten teils verzögert beim Provider an. In Foren finden sich Fälle, in denen trotzdem hunderte Euro aufgelaufen sind.
Bei manchen Business-Verträgen ist das Limit anders konfiguriert oder deaktiviert. Ein Leser hier im Blog stand nach einer Überfahrt mit rund 250 Euro auf der Uhr, Vodafone hat aus Kulanz die Hälfte erlassen.
Eine einzige unbedachte „Ja“-Antwort auf die Limit-SMS und die Bremse ist weg.
Maritimes Netz bei O2, Telekom, Vodafone und 1&1
Hier hat sich seit meiner Überfahrt tatsächlich etwas bewegt. Unterschiedlicher könnte es bei den vier deutschen Netzanbietern nicht sein.
O2 (Telefónica)
Hat Roaming in Schiffs- und Flugzeugnetzen bereits 2022 komplett eingestellt. Dein Handy kann sich in die Bordnetze gar nicht erst einbuchen. Das erklärt auch, warum mein O2-Gerät auf der Moby Legacy stumm blieb. Radikal, aber aus Kundensicht die sauberste Lösung.
Telekom
Sperrt Datenroaming auf Schiffen standardmäßig. Nutzen kannst du das Bordnetz nur, wenn du aktiv einen speziellen Datenpass buchst. Dazu kommt der Kosten-Airbag bei 59,50 Euro.
Vodafone
Hier ist Roaming im Bordnetz weiterhin möglich. Immerhin wurden maritime Netze in eine günstigere Preiszone umgruppiert und es gibt gestaffelte Datenlimits mit Warn-SMS bei 80 Prozent. Die Grundfalle bleibt aber bestehen. Dein Handy darf sich einbuchen und die Preise sind weiterhin happig.
1&1
Sperrt Satellitennetze standardmäßig im Kundencenter. Wer sie aktiv freischaltet, surft bis zur 59,50-Euro-Grenze.
Warum verdienen Fähren wie Moby daran mit?
Die Reederei betreibt das Bordnetz nicht selbst, sondern arbeitet mit spezialisierten maritimen Netzbetreibern zusammen und ist an den Umsätzen beteiligt. Das Bordsignal ist an Bord konstruktionsbedingt deutlich stärker als jedes Landnetz. Bei mir waren bei manueller Netzwahl zeitweise zwei Balken SFR aus Korsika sichtbar, die Automatik wählte trotzdem zuverlässig das Bordnetz 901 19.
Einen Preisaushang oder eine FAQ zu den Roaming-Kosten sucht man bei Moby bis heute vergeblich. Beworben wird lieber das kostenlose WLAN, das es inzwischen offiziell auf Moby Legacy, Fantasy, Aki und Wonder gibt. Auch das läuft über Satellit, ist entsprechend langsam und wetterabhängig. Für WhatsApp-Texte reicht es, für mehr eher nicht.
Ich formuliere es vorsichtig. Ein Geschäftsmodell, das davon lebt, dass Fahrgäste nicht wissen, in welchem Netz ihr Handy gerade hängt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass Aufklärung hier nicht die oberste Priorität hat.
Mein Fazit
Es ist technisch offensichtlich möglich, die Bordnetze providerseitig zu sperren. O2 und 1&1 machen es vor, die Telekom zumindest bei Daten. Warum das nicht überall Standard ist, darf sich jeder selbst beantworten. Bis dahin bleiben wir auf jeder Fähre im Flugmodus.
Häufige Fragen
Hat man Internet auf der Fähre?
Meist ja, über das Bord-WLAN. Moby bietet es offiziell kostenlos auf Moby Legacy, Fantasy, Aki und Wonder an. Es läuft über Satellit, ist langsam und wetterabhängig und reicht für WhatsApp-Texte. Teuer wird es, wenn dein Handy sich zusätzlich ins Bordnetz der Fähre einbucht.
Gilt Roaming auf Schiffen?
Im Bordnetz nicht. Sobald sich dein Smartphone in das Bordnetz eines Schiffes einbucht, gilt die EU-Roaming-Verordnung nicht mehr, denn satellitengestützte Netze sind ausdrücklich ausgenommen. In Küstennähe kannst du das Landnetz manuell auswählen, dann gilt normales EU-Roaming.
Gilt EU-Roaming auf Sardinien und Korsika?
An Land ja. Sardinien gehört zu Italien, Korsika zu Frankreich, beide Inseln liegen in der EU. Auf der Fähre dorthin gilt es nur, solange dein Handy im Landnetz hängt und nicht im Bordnetz des Schiffes.
Warum Flugmodus auf dem Schiff?
Weil er der einzige hundertprozentige Schutz ist. Datenroaming aus reicht allein nicht, eingehende Anrufe und SMS im Bordnetz kosten trotzdem, Anrufe sogar dann, wenn die Mailbox anspringt. Im Flugmodus kannst du das WLAN wieder einschalten und das Bord-WLAN nutzen.
Was bedeutet die SMS von 70125?
Bei mir kam von der Kurzwahl 70125 die Warn-SMS von Vodafone, kurz bevor das Roaming-Limit von 50 Euro netto erreicht war. Wer mit „Ja“ antwortet, hebt die Kostengrenze auf. Genau das solltest du im Bordnetz nie tun.
Was kostet Internet auf dem Meer?
Im schiffseigenen Satellitennetz kostet ein Megabyte laut Verbraucherzentrale bis zu 30 Euro. Ein einziges automatisches App-Update kann damit teurer werden als das komplette EU-Kostenlimit von 59,50 Euro.
Aus euren Kommentaren
Wir haben alle 4 Kommentare bis zum 17.10.2026 ausgewertet.
Bevor du unten fragst
Diese Angaben helfen mir beim Antworten. Dein Anbieter und ob Privat- oder Business-Vertrag, Reederei und Strecke und ob du eine Warn-SMS bekommen hast.











Bei uns ähnliche Erfahrung, allerdings mit einem Vodafone Business Vertrag bei dem es die 50€ Sperre nicht gibt.
Wir hatten dann plötzlich ~250€ auf der Uhr…
Nach vielen Telefonaten und Schriftverkehr hat sich Vodafone aus Kulanz bereit erklärt 50 % der Kosten zu erlassen…
Servus Nups,
Interessant. Mein Vodafone Business Vertrag hat die netto 50 Euro Sperre. Siehe Screenshots im Beitrag.
Das stinkt schon sehr nach seltsam.
Tut mir leid für dich.
Viele Grüsse
Flo
Tja, kennen wir auch schon. Haben auch schon mal 60 € für die Erfahrung bezahlt. Ist bei anderen Fähren auch nicht anders. Wir schalten unsere Handys etc. während der Zeit auf Fähren nun immer auf Flugmodus. Ist das Einzige was sicher ist.
Hallo Michael,
danke für deine Sicht. Ja, dann bleiben wir in Zukunft auch im Flugmodus. Schade das Provider hier der Komplize für solche seltsamen Geschäftsmodelle sind.
Viele Grüsse
Flo