Das Camperproblem in Spanien
Jedes Jahr aufs neue gibt es Berichte über die überfüllten Strandabschnitte in Spanien. Erst jetzt hat die Polizei in Elche an der Costa Blanca durchgreifen müssen. Anwohner hatten sich über die Massen an Wildcampern beschwert. Wer schonmal im Winter an den spanischen Küsten unterwegs war, der weiß, dass es wirklich Massen sind. In Reih und Glied stehen, wie z.B. auf der Landebahn in Tarifa, die Camper. Ein Unterschied zum Campingplatz ist kaum zu erkennen. Außer, dass man auf den meisten Campingplätzen und Stellplätzen noch mehr Abstand zum Nachbar halten kann.
Entsorgungsmöglichkeiten gibt es an diesen Hotspots natürlich keine und weil man seinen Platz nicht hergeben möchte, wird zur Entsorgung ungern weggefahren. Der Nachbar duscht auch mal schön im Freien und so duftet es auch gerne mal nicht so angenehm.
Dort stehen VW Busse neben dem Liner. Alle Camperschichten treffen sich scheinbar in Spanien an den Küsten und sammeln sich in Rudeln. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Menschen, die dort wirklich leben, über diese Zustände beschweren. Wer möchte schon einen illegalen Campingplatz vor der Tür haben. Ihr etwa?

In Portugal ist es schon zu spät
In Portugal ist es schon zu spät. Vor einigen Jahren sammelten sich dort die Überwinterer jedes Jahr. Die Küsten waren auch dort voll mit Campern und diese richteten sich häuslich ein. Da sahen wir manchmal Fußmatten vor der Tür, Blumen vor der Motorhaube, oder gar die ausgefahrenen Markisen.
Und wie in Spanien heute gab es verständlicherweise immer mehr Gegenwind der portugiesischen Einwohner. Ist man heute in Portugal unterwegs, werden einem die Campen verboten Schilder sofort ins Auge fallen. An fast allen Küsten empfangen einen, teils weit vor der eigentlichen Küste die Camperverbotsschilder. Teilweise kommt man nicht mal mehr an die Küste mit seinem Camper.
Das ist sehr ärgerlich, aber am Ende sind wir Camper selbst schuld. Wird etwas übertrieben, dann hat das leider meistens Konsequenzen. Und so schwinden schöne Orte für uns Camper und diese kommen vermutlich auch nicht wieder zurück. Ob daran Social Media schuld ist oder nicht, das tut letztendlich nichts zur Sache und ist eine müßige Diskussion. Es passiert und es passiert auch jedes Jahr wieder in Spanien.
Vielleicht so lange, bis es dort auch wieder so weit ist, wie in Portugal. Wir waren über den Jahreswechsel auf Sizilien und auch dort ist der Anstieg der Camperdichte bereits spürbar, auch wenn dort noch genug Platz zu sein scheint. Welches Land dann das nächste ist, kann man schonmal raten.

Aber wohin mit uns Campern?
Klar ist aber auch, dass wir Camper im Winter oft in den Süden flüchten wollen. Ist nicht das der Vorteil unserer Reiseart und was wir lieben? In der kalten grauen Zeit in den Süden zu fahren ist einfach eine schöne Möglichkeit Vitamin D zu tanken und die Akkus aufzuladen. Auch wir tun das immer wieder. Doch was soll man tun, wenn man z.B. in den Süden Spaniens möchte? Wenn man mal die Karte um Tarifa herum in P4N anschaut, wird schnell klar: Legal und kostenlos sieht es dort mau aus. Aber wenigstens gibt es einige Entsorgungsmöglichkeiten für die, die sich trauen ihren Platz allein zu lassen.

Wählt man kostenpflichtige Stellplätze an, dann sieht es an der Küste schon besser aus. Aber dort liegt ein Problem für die Überwinterer. 15€ oder mehr pro Tag sind vielen bei einer Standzeit von teils Monaten einfach zu viel. Manch ein Platz ruft auch im Winter Preise in der Region von 30€ oder gar 50€ auf. So kommen im Monat eben mal 450€ und deutlich mehr zusammen.

Doch was sollen wir Camper jetzt tun? Schaut man sich die Karte der kostenfreien Plätze an, wird schnell klar, dass es auch in Spanien einige kostenfreie Plätze gibt. Diese liegen zwar nicht an der Küste, sind dafür aber meistens leer. Das hilft zwar den Surfern nicht, da die eben an der Küste stehen wollen, aber dafür gibt es dann leider keine Lösung.
Die Ausrede, es gäbe zu wenig legale Möglichkeiten, zieht also nur bedingt. Wir selbst standen auf einem Stellplatz in Tarifa sehr nah am Strand. Dieser kostete 8€ die Nacht und war halb leer. Dieses Jahr kostet er nun wohl 15€ und ist vermutlich noch leerer. Stellplätze gibt es also schon einige. Nur kosten diese und das teilweise wirklich viel für wenig Service. Wie wir aus diesem Problem heraus kommen, das bleibt wohl noch ungewiss.
Mehr Stellplätze – Ist das die Lösung?
Gute und günstige Plätze sind meist voll und es gibt teilweise wohl Wartelisten. Auf der anderen Seite standen bei unserem oben angesprochenen Stellplatz für 8€ etliche Camper direkt vor der Tür an der Straße, obwohl es wie gesagt genug Platz gegeben hätte. Das wiederum ist dann auch von Camperseite nicht so Prestige fördernd.
Mehr legale Stellplätze wären sicherlich die Lösung. Doch wo sollen diese hin? Wer soll sie zahlen?
Viele Gemeinden, die nicht so gut besucht sind, bauen bereits gratis Stellplätze, um Touristen anzulocken. Das klappt scheinbar auch tatsächlich in wenig besuchten Gegenden. Wir sind dort auch schon des Öfteren an unerwarteten Orten gelandet. Das lohnt sich aber für Gemeinden nur, wenn sie den Tourismus anlocken wollen und dann auch davon profitieren. Sei es durch Eintrittsgelder, Verkäufe oder aber Restaurants.

Die Orte, die aber aktuell geräumt werden, haben ja das gegenteilige Problem. Sie wollen keine Touristen anlocken. Und um ehrlich zu sein, lassen die meisten dort nicht wirklich viel Geld liegen. Sollten nun also die Einwohner für die Touristen zahlen und keinen Mehrwert davon haben? Würde das jemand von euch machen wollen?
Aber kann man einen gebührenpflichtigen Stellplatz innerhalb Europa überhaupt noch für vertretbare Beträge anbieten? Sind 8€ heute einfach zu wenig, um die Kosten für Steuern, Wartung der Ver- und Entsorgung und etwaige Nebenkosten für Genehmigung und Personal zu bezahlen? Vielleicht verlangen wir Camper da auch etwas viel. Auch wenn es natürlich manche mit Kosten weit jenseits der 20€ deutlich übertreiben und sich mit einem besseren, oder schlechteren Parkplatz die Taschen füllen.
Vermutlich ist es, wie so oft. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und der Kompromiss wäre ein schönes Ziel. Ob dieser aber langfristig gefunden werden kann, ist fraglich.
Ein Appell an uns alle!
Verhindern können wir es wohl nicht. Wir Camper zerstören, was wir lieben. Vielleicht sind wir einfach zu viele? Vielleicht sind wir aber auch einfach zu viele am selben Ort?
Was soll man tun? Nicht mehr in den Süden fahren? Hotel statt Camping? Wohl eher nicht.
Wir selbst stehen oft und gerne frei. Wir campen zwar wild, haben aber unsere Grundsätze. Wir benehmen uns beim Freistehen auch entsprechend. Kein Müll und keine Entsorgung verstehen sich wohl von selbst. Stühle stehen nur vor der Tür, wenn wir darauf sitzen. Der Tisch bleibt verstaut und weder die Markise, noch andere Anbauten werden ausgefahren. Auch versuchen wir uns nicht für Wochen einzunisten, sondern fahren auch nach wenigen Tagen wieder weiter.

Eigentlich stehen wir doch frei, weil wir die Freiheit genießen wollen. Die Natur spüren und sehen und etwas anderes suchen, als einen Camping- oder Stellplatz. Warum stellen sich die Camper dann dicht an dicht an eine bereits überfüllte Stelle? Etwas weiter im Landesinneren gibt es meist Platz ohne Ende und niemand würde sich an einem stören, wenn man sich benimmt. Wir sollten einfach auch anfangen uns besser zu verteilen und keine großen Rudel zu bilden, wenn wir unterwegs sind.
Generell sollten wir alle einfach mehr Rücksicht auf die Menschen nehmen, die dort leben, wo wir unseren Urlaub machen wollen. Benehmt euch, wie ihr es auch vor eurer Haustür erwarten würdet. Denkt daran, dass dieses Stück Land nicht euch gehört und als Bonus Tipp (wenn es geht) lasst auch etwas Geld bei der lokalen Bevölkerung. Sei es beim Einkauf im kleinen Laden, oder im Restaurant nebenan. Auch das kann die Akzeptanz deutlich steigern.
Abschließende Worte
Abschließend möchte ich noch einmal anmerken, dass dieser Beitrag zum Nachdenken anregen sollte. Er stellt sicherlich nicht die eine Wahrheit dar und soll keinen angreifen. Wir alle haben unsere Ziele und Wünsche. Das Ziel dieses Beitrags ist es beide Seiten etwas zu beleuchten und mal kurz die Camper Brille abzulegen.
Fühlt euch also nicht angegriffen, aber überdenkt vielleicht auch gelegentlich unser und euer Verhalten. Die Außenwirkung ist manchmal anders, als man es selbst wahrnimmt. Denkt an andere und genießt trotzdem eure freie Zeit.
Auf ein gutes Miteinander!
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