Wohnmobil-Isolierung: Kältebrücken mit der Wärmebildkamera
Mit der Wärmebildkamera am Wohnmobil gemessen: wo die Isolierung Schwachstellen hat, was Fenster und Fahrerhaus zeigen und welche Maßnahme wirklich hilft.

Wie sind Reisemobile isoliert und wo sind die Schwachstellen? Das herauszufinden war mein oberstes Ziel, als ich mit einer Wärmebildkamera ein paar Fotos machte. Es gibt zwar nicht für alle Schwachstellen eine Lösung, aber ein paar Erkenntnisse gibt es dann doch.
So habe ich mit der Wärmebildkamera gemessen
Es kommt ein Ansteckgerät für ein iPhone zum Einsatz. Das Produkt FLIR ONE Generation 3 ist sicherlich eines der günstigen, aber auch zuverlässigen am Markt. Zumindest für den hier angewendeten Umfang, den es für den Beitrag brauchte, reichen sowohl Auflösung als auch Genauigkeit. Das Gerät setzt die Wärme von Objekten in Farbbilder um.
Die Messungen fanden im Dezember 2018 bis Anfang 2019 statt. Die Heizung lief mindestens knapp 3 Stunden, um 20 Grad Celsius Innentemperatur zu erreichen, und wurde durch einen Heizlüfter unterstützt, um möglichst schnell auf Temperatur zu kommen. Die Umgebungstemperatur lag laut Netatmo Außenthermometer bei +1 bis −3 Grad Celsius und es lag Schnee. Das Dach wurde für den Test vom Schnee befreit.
Indikator, keine Wissenschaft
Ich hatte großen Spaß an dem Thema und will daraus keine Wissenschaft machen. Auch lassen sich Messungenauigkeiten nicht vermeiden. Es ist nicht auszuschließen und sogar anzunehmen, dass unter anderen Wetter- und Temperaturbedingungen auch andere Erkenntnisse möglich sind.
Die Schwierigkeit ist darin zu sehen, dass jeder Hersteller einen individuellen Aufbau seiner Konstruktion hat und eine Verallgemeinerung eher schwierig ist. Im Testobjekt, unserem Adria Coral XL, könnte man annehmen, dass der Alkoven schlecht isoliert ist. Stattdessen „leuchtet“ dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit aus 2 anderen Gründen.
Von daher nehmt die Ergebnisse nicht wissenschaftlich, sondern als Indikator für Verbesserungsmöglichkeiten.
Fenster: die größte Kältebrücke
Fenster sind natürlich aufgrund der Anzahl und Fläche die größte Kältebrücke. Manche Camper würden von Wärmeverlust sprechen, aber die vielen Bilder und Messwerte bei den Temperaturen zeigen eher, dass Kälte ins Innere dringt und nicht Wärme nach außen abgegeben wird.
Die Fenster sind aufgrund der hohen Quadratmeterzahl und mit 7,5 Grad Temperaturunterschied zum Innenraum eine große Kältebrücke.
Panoramafenster von innen, 12,5 Grad am Glas
Kälte strahlt über die Fenster rein. Daher schläft wohl der ein oder andere Camper neben einem Fenster schlechter.
Seitenfenster von innen, 11,8 Grad am Glas
Der orangene Kreis ist der Abzug vom Küchenlüfter. Links das Fenster mit offener Jalousie. Rechts unter dem Küchenabzug das Fenster mit geschlossener Jalousie.
Links Jalousie offen, rechts geschlossen
Jalousie zu und Dichtung pflegen
Die Jalousie der Fenster zu schließen, bringt einige Grad mehr an Isolation. Vor allem in Anbetracht der vielen Quadratmeter. Interessantes Detail. Durch die Doppelverglasung dringt nicht viel Wärme nach außen, aber die Kälte kommt nach innen. Auch sollte man gerade im Hinblick auf langjährige Dichtigkeit den Fenstergummi sauber halten und z. B. mit Silikonöl oder Talkum pflegen und geschmeidig halten.
Eine weitere Fensterisolierung außer der Front- und Seitenscheiben des Ducatos kommt für uns nicht in Betracht, da es uns sonst einfach im Raum zu dunkel wird. Auch ist das Handling mit den üblichen Matten im Winter zu kompliziert. Von daher kommt das vermutlich eher bei Dauercampern in Betracht. Aber auch hier bleibt die Entscheidung bei euch und ich würde mich über euer Feedback sehr freuen.
Fahrerhaus isolieren: Front- und Seitenscheiben
Der Fiat Ducato ist ursprünglich als Transporter und Baustellenfahrzeug konzipiert und wurde nach und nach von der Wohnmobilindustrie entdeckt. Isolierung, wenn die Maschine läuft? Warum auch. Man kann schon vorab festhalten, dass über diesen die meiste Abwärme nach außen abgegeben wird und die meiste Kälte nach innen gelangt. Das ist allerdings kein Manko des Ducato alleine.
Die Schwachstellen sind die Glas-Fensterscheiben und der Boden. Den Boden findet ihr im nächsten Abschnitt. Die Front- und Seiten-Fensterscheiben sind ein kleines „Leuchtfeuer“. Zum Zeitpunkt der Aufnahme waren die Jalousien geschlossen.
Fiat Ducato von vorn, Jalousien geschlossen
Von innen gesehen sind die Front- und Seiten-Fensterscheiben die größten Kältebrücken im Fahrerhaus.
Fahrerhaus von innen, Jalousien geschlossen
Thermomatte oder Vorhang
Jalousien schließen. Das isoliert um ein paar Grad etwas besser. Die beste Maßnahme ist vielen sicherlich bekannt. Die Thermomatte von außen oder der Vorhang, der von innen den kompletten Bereich abhängt.
Die Thermomatte von außen hat den Beigeschmack der hohen Kosten und ist dort ausführlich als Thema behandelt.
Der Vorhang hat leider das Problem, dass die umgedrehten beiden Sitze aus der Fahrerkabine nicht mehr nutzbar sind. Es wäre allerdings die beste Maßnahme, da auch der Boden im nächsten Abschnitt eine enorme Kältebrücke darstellt.
Welche Hindermann Thermomatte bei uns den Winter schafft und warum wir das Unterteil weglassen, steht im eigenen Beitrag.
Motorraum und Lüftung
Da ist bei uns nichts zu messen. Es dringt bei geöffneter Motorraumklappe keine Wärme nach außen. Vermutlich geht über die Lüftung etwas Wärme verloren oder bei Sturm dringt mit Sicherheit auch Kälte nach innen. Aber messbar ist das bei Windstille nicht.
Boden im Fahrerhaus: zweitgrößte Kältebrücke
Lange Zeit hatte ich das Gefühl, dass die langen Thermohauben bei Wohnmobilen eine Lösung sein müssten. Aufgrund der hohen Anschaffungskosten haben wir diese Anschaffung allerdings nicht in vollem Umfang getätigt. Wie sich nun herausstellt, kann man sich die Anschaffung der Verlängerung der Thermomatten unter gewissen Voraussetzungen auch sparen, aber diese Entscheidung überlasse ich gerne euch selbst.
Die Schwachstelle ist der Boden des Fahrerhauses. Die Annahme war bisher, dass der nachträglich installierte Original Fiat Ducato Teppich ein wenig isolieren müsste. Diese Annahme ist falsch. Mit 6,8 Grad Celsius und der Fläche von 3 bis 4 Quadratmetern ist er die zweitgrößte Kältebrücke überhaupt.
Boden im Fahrerhaus, 6,8 Grad trotz Teppich
Der Boden samt Teppich alleine bringt mit über 13 Grad Unterschied zur Innentemperatur eine große Kältebrücke zum Vorschein.
Eine spätere Messung an den Türen zeigt, dass Beifahrer- und Fahrertür mit Blech, Innenblechen, eingeschlossener Luft und Innenverkleidung mehr isolieren als jede Acrylglasscheibe. Mit 20 Grad Innentemperatur und einem Wert von 16 Grad an der Tür ist ein Großteil der Tür keine Kältebrücke. Das Problem zieht von der Fußeinstiegsleiste und dem Boden herauf.
16 Grad an der Tür bei 20 Grad Innentemperatur
Lohnt sich die lange Thermohaube?
Die langen Fronthauben bis zum Boden würden gar nichts verhindern können. Zumindest nichts, was man wärmebildtechnisch festhalten könnte.
Die Verlängerung von Thermomatten von den Fahrerhausscheiben bis zum Boden ist nach heutigem Kenntnisstand relativ wirkungslos, denn die Hauben verhindern ja nicht, dass kalte Luft vom Boden eindringt. Sie sind am Boden auf einer Seite komplett geöffnet. Mit der FLIR konnte ich von außen keinen nennenswerten Wärmeaustritt am Boden des Fahrzeugs feststellen. Selbst bei geöffneter Motorhaube war kein Wärmeaustritt zu registrieren.
Der Ducato hat eine Boden-Kältebrücke und da helfen die Matten an der Front am Kühler und seitlich an den beiden Türen eher homöopathisch weiter. Unter gewissen Wind- und Wetterbedingungen mag die Wirkung ein wenig zutreffen. Rund 300 Euro Aufpreis für das Unterteil bei Hindermann entsprechen aber gut 15 Gasflaschen, und das scheint dann doch zu viel Geld für zu wenig Wirkung.
Besser den Fußraum dämmen
Viel eher dürfte eine Fußraumisolierung im Fahrzeug einen besseren Effekt bieten. Auch ein Vorhang mit dem im vorherigen Abschnitt erwähnten Nachteil dürfte hier bessere Abhilfe schaffen. Der Boden und die Fußeinstiegsleisten bleiben klar ein Problem. Das wird durch die seitlich angebrachte Thermomatte nicht gelöst.
Aufbautür: erstaunlich gut isoliert
Die Aufbautür ist erstaunlich gut isoliert. Wer diese schon einmal aufgeschraubt hat, der findet fast keine oder sehr dünne Isolierung darin vor. Was allerdings reichlich darin vorhanden ist, ist Luft. Diese isoliert erstaunlich gut, da die Tür recht gut in sich geschlossen ist.
Die Schwachstellen sind natürlich dünnes Material wie die Gummidichtung und der Acrylglasausschnitt. Beide lassen Wärme nach außen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war die Jalousie geöffnet. Maßnahmen dagegen sind nicht möglich, die Tür selbst ist gut isoliert.
Aufbautür von außen, Jalousie offen
Von innen lassen der Acrylglasausschnitt und die Gummidichtung Kälte nach innen. Man sieht, sobald die Tür am Türgriff dünner wird, dringt etwas mehr Kälte ein.
Aufbautür von innen, Jalousie offen
Was an der Aufbautür hilft
Die Jalousie der Aufbautür zu schließen, bringt einige Grad mehr an Isolation. Auch sollte man gerade im Hinblick auf langjährige Dichtigkeit den Türgummi sauber halten und z. B. mit Talkum pflegen und geschmeidig halten. Mehr lohnt sich aus meiner Sicht nicht, da von der Fläche her gesehen die Aufbautür nicht das große Problem ist.
Decke: der Aufbau im Wärmebild
Diese Erkenntnisse können nicht durch eine Maßnahme abgestellt werden und sind daher rein informativ. Der Aufbau unserer GFK-Decke hat ein interessantes Isolierungs- und Aufbaumuster. An der Decke hängen ein Bewegungs- und ein CO-/Rauchmelder. Die Streifen sind nur mit der FLIR und nicht optisch von außen sichtbar.
Decke von innen mit Bewegungs- und CO-/Rauchmelder
Nein, das ist kein Dachfenster, sondern ich nehme an eine Aussparung, um ein weiteres Dachfenster nachträglich einsetzen zu können oder eine Klimaanlage einzubauen.
Aussparung in der Decke, kein Dachfenster
Ideale Erkenntnisse, um saubere Dachdurchbrüche vorzunehmen. Wie wir eine Dachhaube getauscht haben, steht im eigenen Beitrag.
Mein Fazit
Fenster sind natürlich aufgrund der Anzahl und Fläche die größte Kältebrücke. Die Jalousie zu schließen, bringt einige Grad mehr an Isolation. Der Boden des Fahrerhauses ist die zweitgrößte Kältebrücke überhaupt, und da helfen die Matten an der Front und seitlich an den beiden Türen eher homöopathisch weiter. Viel eher dürfte eine Fußraumisolierung einen besseren Effekt bieten.
Die Aufbautür ist erstaunlich gut isoliert. Von daher nehmt die Ergebnisse nicht wissenschaftlich, sondern als Indikator für Verbesserungsmöglichkeiten. Viel Erfolg mit euren Erkenntnissen.
Häufige Fragen
Wo sind die Kältebrücken im Wohnmobil?
In unserem Adria Coral XL sind die Fenster die größte Kältebrücke, am Panoramafenster mit 7,5 Grad Unterschied zum Innenraum. Danach kommt der Boden im Fahrerhaus mit 6,8 Grad trotz Teppich. Die Aufbautür ist erstaunlich gut isoliert.
Kann man Kältebrücken mit der Wärmebildkamera finden?
Ja, als Indikator für Verbesserungsmöglichkeiten. Wir haben bei +1 bis −3 Grad außen gemessen, nachdem die Heizung knapp 3 Stunden auf 20 Grad geheizt hatte. Unter anderen Wetter- und Temperaturbedingungen sind auch andere Erkenntnisse möglich.
Reicht eine Wärmebildkamera fürs Handy?
Für unseren Umfang ja. Die FLIR ONE Generation 3 ist ein Ansteckgerät fürs iPhone, für diesen Beitrag reichen sowohl Auflösung als auch Genauigkeit.
Lohnt sich eine Thermohaube bis zum Boden?
Für uns nicht. Die Haube ist am Boden offen und verhindert nicht, dass kalte Luft vom Boden eindringt. Rund 300 Euro Aufpreis für das Unterteil entsprechen gut 15 Gasflaschen.
Hilft die geschlossene Jalousie gegen Kälte?
Ja, die Jalousie der Fenster zu schließen, bringt einige Grad mehr an Isolation, vor allem in Anbetracht der vielen Quadratmeter.
Bevor du unten fragst
Schreib dazu, welches Wohnmobil du fährst, auf welchem Fahrgestell es gebaut ist und wo es bei dir im Winter zieht. Dann kann ich dir gezielt antworten.


















