Korsika mit dem Wohnmobil: Rundreise, Fähre und Tipps
Korsika mit dem Wohnmobil: unsere Rundreise von Bastia über Bonifacio und Corte bis Calvi, mit Fähre ab Livorno, Campingplätzen am Meer und vielen Tipps.

Es war mal langsam Zeit, Korsika aufzufrischen. Meine Frau war das letzte Mal 1987 auf Korsika und meine Erinnerungen sind mindestens genauso alt. Nach über 30 Jahren als Kind sollte es nun als Erwachsener wieder auf die Insel gehen. Das Besondere ist, dass wir uns mit der Familie meiner Frau auf Korsika trafen.
Ich als Kind beim Zelten auf Korsika
Unsere Korsika-Rundreise in Zahlen
In Italien war seit 2018 die Bip&Go-Mautbox ein echter Helfer. Die linken Telepass-Spuren zum Durchfahren sind halt einfach viel schneller. Die Kartendaten stammen aus unserem Beitrag GPS-Tracker.
Unsere Anreise von München über den Gardasee nach Livorno
Unsere Plätze auf Korsika im Überblick
Auf Korsika standen wir auf 4 Campingplätzen, auf dem Weg zur Fähre auf 2 Stellplätzen in Italien.
| Platz | Ort | Pro Nacht 2017 | Lage |
|---|---|---|---|
| Stellplatz am See | Sirmione, Gardasee | 20 Euro | direkt am See mit Sandstrand |
| Stellplatz Livorno | Livorno | 15 Euro | nahe Stadtstrand, 20 Minuten zum Hafen |
| Camping Merendella | Moriani-Plage | keine Angabe | erste Reihe am Sandstrand |
| L’Araguina | Bonifacio | etwa 25 Euro | zu Fuß in die Stadt |
| Ras L’Bol | Olmeto-Plage | knapp unter 30 Euro mit 2 Kindern | Pool, Strand über die Straße |
| Camping Dolce Vita | Calvi | keine Angabe | Sandstrand mit flachem Wasser |
Preise von 2017. Bis Ende Juni bekamen wir überall ohne Reservierung einen Platz.
Tipps für Korsika mit dem Wohnmobil
Zwischenstopp am Gardasee
Mit kleinen Kindern reist man die Strecke München nach Livorno mit über 720 Kilometern nicht so ohne weiteres am Stück. Ein Übernachtungstipp ist Sirmione am Gardasee. Ein 20 Euro Stellplatz direkt am See lädt im Süden des Gardasees ein. Der Stellplatz ist zwar ruhig gelegen und meist schattig, aber sowohl die Duschen als auch die Toiletten sind der Kategorie spartanisch zuzuordnen. Für die Durchreise aber dennoch eine Empfehlung.
Der Grund. Dieser Küstenabschnitt ist einer der wenigen mit Sandstrand. Da 2017 der Wasserstand sehr niedrig war, konnten wir fast 100 Meter mit unseren Nichtschwimmer-Kids auf Sand in den See laufen. Für den Besuch der wunderschönen Altstadt ist dieser jedoch zu weit weg. Für diesen Fall würde ich euch eher einen Parkplatz ohne Ver- und Entsorgung direkt vor der Altstadt empfehlen. Freistehen am Gardasee ist sehr schwierig, denn selbst mit Kontakt zu einem Olivenhainbesitzer hatten wir schon Probleme bekommen, aber das ist eine andere Geschichte.
Fähre nach Korsika mit dem Wohnmobil
Eine Moby-Fähre im Hafen
Handy auf der Fähre in den Flugmodus
Im Bordnetz einer Fähre gilt kein EU-Roaming. Mir ist das 2024 auf der Moby Legacy von Olbia nach Livorno passiert. Wenige Megabyte im Hintergrund, knapp 60 Euro weg. Trotz beworbenem Gratis-WLAN an Bord. Flugmodus an, bevor das Schiff ablegt. Das ist der einzige hundertprozentige Schutz.
Übernachten in Livorno vor der Fähre
In Livorno gibt es nicht wirklich die große Auswahl an guten Übernachtungsplätzen. Wir waren in der Nähe des Stadtstrands am Rio d’Ardenza. Leider war es nicht ganz so einfach, jemanden vor Ort anzutreffen, der uns die Schranke öffnete. Ein Anruf hat aber das Problem gelöst und es kam 5 Minuten später eine sehr nette Dame aus der angrenzenden Einrichtung, welche gehandicapte Menschen betreut.
Der Stellplatz ist ein sehr einfacher kompakter Stellplatz für 15 Euro ohne Firlefanz. Das Gelände ist komplett eingezäunt. Der Ausfahrchip erlaubt auch eine beliebige Abfahrt wie in unserem Fall um 5 Uhr morgens.
Am Nachmittag haben wir noch den Stadtstrand „Spiaggia dei tre ponti“ für ein kurzes Bad im Meer besucht. Himmel, war das voll dort, aber die Bar direkt an der Strandstraße war gut. Die Übernachtung verlief relativ ruhig, aber die Stadt lebt. Wer Sirenen von Ambulanz und Polizei nicht ausblenden kann, dem empfehle ich, besser außerhalb Livornos einen Platz zu suchen.
Am Morgen um 5 Uhr fährt man in einer unglaublichen Ruhe und ohne irgendwelchen Straßenverkehr zum Hafen, welcher etwa 20 Minuten entfernt liegt. Einschiffen verläuft in einer typischen ruhigen und gleichzeitig zumindest optisch unkoordinierten Art, welche in Italien einfach üblich ist. Das Schiff im stattlichen Alter hat für die Kids eine riesige Spielanlage und einen Looney-Tunes-Fernsehraum unter Deck. Ohne wäre die Überfahrt sehr lang geworden.
Die Ostküste: Camping direkt am Meer
Für einen guten Reisetrip empfehlen wir euch einen Reiseführer, in dem die Feinheiten des Landes beschrieben sind, denn nicht ohne Grund fahren unsere Nachbarn (keine Camper) seit Jahren nur nach Korsika. Es ist ein Land für Entdecker und Freicamper (in der Nebensaison). Die Ostküste unterscheidet sich sehr von der Westküste und ist mit wenigen Worten nicht zu beschreiben. Ein paar Eigenschaften wären etwas feuchter, etwas ruhiger vom Meer her und dichterer Tourismus.
Unsere Runde über Korsika
Dennoch verbleiben auf der Ostküste jede Menge einsame Strände, wo einer schöner ist als der andere. Ob Fahrradtouren oder Wandern. Ständig könnte man von Brücken in das klarste Wasser von Bächen und Flüssen springen. Ich selbst kann nur sagen. Einzigartig. Genießt die Spezialitäten des Landes wie die Saucisse Corse (Korsische Wurst) und andere Köstlichkeiten. Es lohnt sich.
Beim Metzger in Moriani-Plage
Der erste Stopp war in Moriani-Plage auf einem Campingplatz, den meine Frau und ihre Eltern bereits in den 80er Jahren besucht hatten. Hierzu gibt es einen eigenen Bericht über besondere Plätze am Meer. Auf Camping Merendella kann man nicht nur am Strand mit seinem Reisemobil stehen, sondern auch in der ersten Reihe fast mitten im Strand. Ein Wohnmobil oder ein Wohnwagen am besten mit Mover oder ein paar starken Helfern vorausgesetzt, da man einige Meter durch den Sand muss.
Diese speziellen Plätze sollte man auch in der fortgeschrittenen Nebensaison reservieren. Ansonsten kommt man bis Ende Juni auf dem Platz meist auch ohne Reservierung unter.
In der ersten Reihe auf Camping Merendella
Der Strand vor Camping Merendella
Bonifacio mit dem Wohnmobil: Der Geldadel ruft
Die Weiterfahrt in den Süden nach Bonifacio ist die Reise absolut wert. Eine Altstadt hoch auf einem gigantischen Felsen erbaut. Den Charme des edlen Yachthafens muss man zwar mögen, aber im Urlaub kann man bekanntlich vieles.
Die Kalkküste bei Bonifacio
Als Campingplatz oder Stellplatz empfehle ich euch fußläufig zur Stadt den L’Araguina. Preis pro Nacht bei uns etwa 25 Euro. Alle anderen waren zu weit weg oder nur für mindestens 2 Nächte zu haben. Die Stadt selbst lässt sich sicherlich auch mehrtägig genießen. Ist aber aufgrund des anwesenden Geldadels relativ teuer.
Der Yachthafen von Bonifacio
Sandsteinfelsen in Bonifacio
Die Altstadt von Bonifacio
Die Westküste bei Olmeto und Propriano
Die Landschaft verändert sich zum x-ten Male. Jedoch wird es nun deutlich rauer. Die Wälder der Ostküste sind bereits im Süden meist durch weitläufige Buschlandschaften ersetzt worden. Auch ist es trockener, was man an alten Waldbränden in der Landschaft sehen kann. Die Straßen werden kurviger und enger und längst kann man nicht mehr so unbekümmert mit dem Wohnmobil durch die Landschaft cruisen.
Auf dem Weg von Bonifacio nach irgendwo an die Westküste wollten wir alle etwas essen gehen, ohne die WoMo-Küche anzuwerfen. Nach einem geschlossenen Restaurant trafen wir die Vereinbarung, das nächstmögliche zu nehmen. Im Konvoi bogen wir spontan nach links ab in ein Restaurant, welches von der Straße nicht so einladend wirkte. Ein großer Trugschluss, denn eine Wohlfühloase tat sich auf. Chambre d’hôtes Pero Longo bei Sartène ist ein Hotel, Campingplatz und Restaurant. Schöner Spot, um ein wenig zu verweilen.
Auf der Weiterfahrt fädeln wir uns kurzentschlossen durch die Kurven in Richtung eines kleinen Ortes namens Olmeto und den Campingplatz Ras L’Bol durch. Der Grund für die Entscheidung sind die geäußerten Wünsche der Kleinen nach Schnorcheln. Ein paar Nächte mit Schwimmbad für die Kids, denn die Westküste ist rau, meist steil abfallend und die hohen Wellen und die starke Brandung sind nichts für unsere 2 Nichtschwimmer. Die Buchten waren auf dem Weg schon gut mit anderen Campern gefüllt und die genialen Geheimtipps waren es nicht mehr.
Ein Strand auf Korsika
Für „wilde“ Erwachsene ist das Abenteuer Meer an der Westküste genau richtig oder man schwimmt einfach morgens, wenn das Meer sich etwas ruhiger gibt. Leider gibt es an diesem Abschnitt kaum Campingplätze direkt am Strand und man muss meist eine Straße überqueren. Aber alles gut. Der Platz bietet gutes überdurchschnittliches Familiencamping und ein offenes gutes Restaurant direkt am zweigeteilten Pool. Sanitär ist klasse und bequem. Pinienwälder geben Schatten und der Preis mit knapp unter 30 Euro mit den 2 Kids war absolut angemessen. Ein Supermarkt ist fast in Laufweite, aber mehr darf man sich nicht wirklich erwarten. Oh doch, wartet, da war noch was sehr Empfehlenswertes.
Das Restaurant und Hotel Abbartello ist eine klare Empfehlung für den Abend. Reservierung stark empfohlen. Es gibt sehr gute einheimische und internationale Küche und ein erstklassiges Flair auf der offenen und großen Terrasse direkt am Meer. Der weit entfernte Blick auf das offene Meer und nach Propriano über die weite Bucht mit dem Bilderbuchstrand ist etwas zum Träumen und es sich gut gehen lassen.
Der Strand von Olmeto-Plage
Die Mitte: Corte
Teilweise die schönste Strecke, die wir je mit einem Wohnmobil gefahren sind. Viele Stopps einlegen, denn Napoleons Zitat kommt nicht von ungefähr.
Man kann mir die Augen verbinden und die Ohren verschließen und ich würde meine Heimat Korsika allein am Duft erkennen.
Napoleon Bonaparte
Kristallklare Flüsse und Bäche. Zauberhafte Farbenspiele des Wassers. Grüne Täler, soweit das Auge reicht, und Felsformationen, die ihresgleichen suchen. Hoch, höher, Korsika.
Ein kurzer Zwischenstopp und Verabschiedung von den Eltern meiner Frau in Corte. Genial, wie der Papa das mit über 70 Jahren im Leihwohnmobil gemeistert hat. Nochmals ein Danke für diese schöne und einzigartige Zeit an euch beiden Lieben. Eure Inspirationen kommen in dem Bericht gar nicht richtig zur Geltung, aber im Kopf und Herzen schon.
Der Weg nach Corte ist teilweise gut ausgebaut bis etwas eng zu bezeichnen, falls der 20-Tonner mit Hänger mal an einem vorbei will. Die Westküste hoch nach Calvi zu fahren ist aus vielen Quellen definitiv nur in der absoluten Nebensaison und für kleine Campervans zu empfehlen, da teilweise nicht mal die Autos richtig aneinander vorbeikommen.
Der Norden: Calvi
Auf dem Weg nach Calvi streift man die Désert des Agriates. Von der Kornkammer zur Steinwüste Korsikas. Das würde alleine einen Beitrag füllen, was der Mensch hier angerichtet hat. Dieser Punkt wird für uns ganz sicher der nächste Freicamper-Spot auf der nächsten Reise durch Korsika. Wer einen Geländewagen sein Eigen nennt, kann mit genügend Wasservorräten von der Hauptstraße auf relativ breiten Pisten bis an die Küste vorstoßen und hat sicherlich ein Stück Korsika fast für sich alleine. Einöde und fast kein Baum, soweit das Auge reicht.
Calvi Bucht und Stadt. Selten so viele Gegensätze gesehen. Vom Elektrofestival bis tief in die Nacht, vom flachsten und wärmsten Wasser schlechthin, von den trainierenden Legionären bis hin zum rustikalsten Bahnsteig ohne Fahrplan und Schild ist alles in und um Calvi vorhanden.
Der Bahnsteig in der Nähe von Camping Dolce Vita
Die Bucht von Calvi
Calvi war sehr voll und die Wahl des Platzes gar nicht leicht. Camping Dolce Vita ist keine echte Empfehlung, aber manchmal reicht das ja dann auch. Vor allem der 1A-Sandstrand und das flache Wasser waren ein großer Spaß für unsere Kurzen. Wenige Touristen am Strand etwas außerhalb von Calvi Stadt haben auch etwas für sich.
Unser Wohnmobil auf Camping Dolce Vita
Die Bucht von Calvi aus dem Zug
Erkenntnisse nach dem Urlaub
Wir waren mit 2 Wohnmobilen (1 geliehen) unterwegs und hatten zu wenig Sturmsicherung bzw. Heringe für Sand dabei. Plötzlicher Wind und Sturm waren auf Korsika recht häufig vertreten. Wir hatten großes Glück, in der Nähe des Wohnmobils zu sein, um die Markise daran zu hindern, sich über das Wohnmobil zu schlagen. Im reinen Sand hält eine Tellerkopfschraube fast gar nicht, dort ist der Schraubhering long von Peggy Peg die bessere Wahl. Die Heringe sind dann auch in die Packliste zur Urlaubsvorbereitung gekommen, um die zusätzlichen Sand-Heringe nicht zu vergessen.
In Korsika waren Strom und Wasser meist 30 bis 40 Meter entfernt. Da lohnt es sich schon mal, einen zweiten Wasserschlauch dabei zu haben.
Mein Fazit
Korsika. Eine Reise wert, ohne Wenn und Aber. Dann aber in der reinen Nebensaison, denn Freistehen in der Gruppe ist um die Jahreszeit nicht drin. Und dafür wurde diese Insel ja geschaffen, nicht wahr? Mir fallen noch so viele Dinge und Themen ein, die es aufzuschreiben gibt. Ganz sicher beim nächsten Mal auf Korsika schreibe ich euch noch mehr zusammen.
Häufige Fragen
Lohnt sich Korsika mit dem Wohnmobil?
Ja, Korsika ist eine Reise wert, ohne Wenn und Aber, am besten in der Nebensaison. An der Westküste werden die Straßen kurviger und enger. Die Westküste hoch nach Calvi ist nur in der absoluten Nebensaison und für kleine Campervans zu empfehlen.
Was kostet die Fähre mit dem Wohnmobil nach Korsika?
Wir haben 2017 mit 4 Monaten Vorlauf bei Moby für 2 Erwachsene, 2 Kinder, Überhöhe und 4 Fahrräder hin und zurück 293,13 Euro bezahlt. Corsica Ferries wäre im selben Zeitraum auf knapp 480 Euro gekommen. Die Preise ändern sich wie Aktienkurse, täglich nachschauen lohnt sich.
Kann man auf Korsika mit dem Wohnmobil frei stehen?
In der Nebensaison ist Korsika ein Land für Entdecker und Freicamper. Ende Juni und Anfang Juli war Freistehen in der Gruppe für uns nicht drin. Auf der ganzen Reise standen wir 4-mal auf dem Campingplatz, 3-mal auf dem Stellplatz und 1-mal im Olivenhain.
Wie viel Zeit sollte man für Korsika einplanen?
Wir waren vom 23. Juni bis 8. Juli 2017 unterwegs, 16 Tage mit Anreise ab München und der Fähre ab Livorno. Allein bis Livorno sind es über 720 Kilometer, darum haben wir mit den Kindern am Gardasee übernachtet.
Wie hoch ist die Promillegrenze auf Korsika?
Korsika gehört zu Frankreich, es gilt 0,5 Promille. Für Fahranfänger in den ersten 3 Jahren nach dem Führerschein sind es 0,2 Promille.
Wie schnell darf man auf Korsika fahren?
Auf den Landstraßen 80 km/h, in den Ortschaften 50. Frankreich hat 2018 auf 80 gesenkt, und Korsika ist nicht wieder auf 90 gegangen. Wohnmobile über 3,5 Tonnen fahren außerorts ohnehin 80.
Welcher Campingplatz auf Korsika passt für Kinder?
Mit unseren 2 Nichtschwimmern waren es 3 Plätze. Camping Merendella an der Ostküste, dort fällt das Wasser am Strand deutlich flach ab. Ras L’Bol bei Olmeto mit Pool, weil die Westküste rau ist. Camping Dolce Vita in Calvi mit Sandstrand und flachem Wasser.
Wie viel Trinkgeld gibt man auf Korsika?
Meistens ist „service compris“ enthalten, also der Service im Preis. Es ist dennoch üblich, um 5 bis 10 Prozent Trinkgeld zu geben.
Bevor du unten fragst
Freie Plätze und aktuelle Preise klärst du direkt mit den Campingplätzen aus der Tabelle oben. Fährpreise ändern sich täglich, vergleiche Moby Lines und Corsica Ferries kurz vor dem Buchen. Schreib unten gern, wann du auf Korsika warst und wo du gestanden bist.


























