Published On: 25. Okt 20
Kategorien: Wintercamping

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Grundvoraussetzung für einen Entfeuchter

Schimmel im Wohnwagen oder Wohnmobil. Gesundheitlich fatal und deutlich unangenehm. Das will keiner. Und so werden gerne Granulat-Luftentfeuchter vom Zubehörhandel verkauft. Mich hat es schon immer stutzig gemacht, was 1 kg Granulat gegen die immensen Mengen Luftfeuchtigkeit und Wasser ausrichten sollen.

Eigene Erfahrung – nicht nur im Wohnmobil

Wir haben bei unserem eigenen Wasserschaden zu Hause, intensiv mit einem Bauingenieur gesprochen. Luftentfeuchter müssen in absolut geschlossenen Räumen eingesetzt werden.

Sobald ein noch so kleiner Zugang zu diesem Raum existiert, setzt sofort wieder ein Ausgleich durch natürliche Luftzirkulation ein. Denn durch natürliche Temperatur- und Druckunterschiede, bringt der fliessende Luftstrom sofort wieder Luftfeuchtigkeit mit.

Erst ein paar Grundlagen

Was bedeutet das in Bezug auf Wohnwagen, Wohnmobile und Campervans und deren Zwangbelüftungen?
Lässt sich Schimmel überhaupt vermeiden?
Ein paar Grundlagen dazu.

Möglichkeit 1 – Luftfeuchtigkeit Wohnmobil im bewohnten Zustand

Mir persönlich hilft es immer weiter, wenn ich den physikalischen Hintergrund und die dazugehörigen Naturgesetze etwas besser verstehe. Die Antwort auf die folgenden drei verschiedenen Temperaturen, trägt etwas zum Verständnis des Problems bei.

Wieviel Wasserdampf in Gramm (= Milliliter) kann in 1 m³ (Kubikmeter) Luft enthalten sein?

Raumtemperatur Luftfeuchtigkeit Wasser(dampf)
20° Grad 80% 13,83 Gramm
0° Grad 80% 3,88 Gramm
-20° Grad 80% 0,70 Gramm

Die Kondensation lässt sich leicht nachvollziehen

Was passiert, wenn Nachts, im Herbst, im Winter oder im Frühjahr 20 Grad warme Innenluft an eine Scheibe mit 0 Grad kommt?

Die Luft in diesem Bereich kann plötzlich rund 10 Gramm weniger Wasserdampf aufnehmen bzw. halten. Die Konsequenz ist, dass der Wasserdampf an der kalten Scheibe zu Wassertropfen kondensiert.

Die Lösung – Kalte Luft kann erwärmt viel Wasserdampf aufnehmen und halten

Die warme gesättigte feuchte Luft, muss mit kalter trockener Luft getauscht werden. Ein Extrembeispiel. -20° Grad kalte Aussenluft beinhaltet nur 0,70 Gramm Wasser(dampf). Beim erwärmen auf 20 Grad im Innenraum des Wohnmobil oder Wohnwagens, kann die Luft wieder über 13 Gramm Wasser pro 1 m³ Luft zusätzlich aufnehmen.

Bei einem durchschnittlichen Wohnmobil, sind das umrechnet bis zu 200 – 300 ml Wasser, die man durch einmal durchlüften los wird.

Wie kommt die viele Feuchtigkeit überhaupt hinein?

Nasse Schuhe oder Schuhe voller Schnee, kochen, duschen und schlafen. Wieso schlafen?

Warum sind am Morgen die Fenster klitschnass?

Durch die Atmung produziert ein erwachsener Mensch in nur einer Nacht von 10 Stunden 350 Gramm (ml) Wasserdampf. Sobald wir wach sind, ist es fast das Doppelte. Wir produzieren als Familie quasi im Schlaf rund 1 Liter Wasserdampf.

Jetzt wird auch klar, warum wir das niemals über einen Entfeuchter kompensieren können. Ein Entfeuchter wäre hier absolut die falsche Wahl. Erfahrungsgemäss und laut Hersteller sammeln sich über Wochen nur maximal 5 Liter Wasser in einem Entfeuchter.

Da muss man nicht viel rechnen können, dass dies ein ziemlicher Unfug ist, einen Entfeuchter im bewohnten Zustand zu verwenden.

Möglichkeit 2 – Luftfeuchtigkeit Wohnmobil im leeren Zustand

Aber im leeren Zustand ist durch alles ganz anders, oder?

Wie im folgenden Bild zu sehen, wird die Luftfeuchtigkeit bei einem leeren und unbewohnten Wohnmobil oder Wohnwagen hauptsächlich durch Temperaturschwanken und der relativen Luftfeuchtigkeit bestimmt.